Das Ende des Wilden Westen bei ICOs und der Bitcoin Cash Hardfork – das Jahr 2018 im Rückblick

Auch 2018 ist im Kryptobereich wie erwartet viel passiert. In diesem Blogartikel möchten wir uns die wichtigsten Entwicklungen anschauen.

Bitcoin Jahresrückblick 2018

Die Anfang 2018 noch euphorische Stimmung schlug im Laufe des Jahres immer mehr um und ein eintretender Bärenmarkt (ein Markt mit längerfristigem Abwärtstrend) wurde nach den extremen Kurshöhen 2017 immer offensichtlicher. Im Hintergrund werden jedoch nach wie vor (vielleicht mehr denn je) essenzielle bzw. wichtige Innovationen für den gesamten Bereich entwickelt. Viele Prognosen von John McAfee zu Goldman Sachs und JP Morgan wurden aufgestellt. Einige große Ereignisse wie das Hin und Her bei Bitcoin ETFs, die Ankündigung der NY-Stock-Exchange-Kryptobörse „BAKKT“ und der Hardfork bei Bitcoin Cash überschatteten viele kleinere. Welche Prognosen wirklich eingetreten sind und was 2018 tatsächlich passiert ist, möchten wir mit diesem Artikel mit einem Jahresrückblick zusammenfassen.

Die Kurs-Prognosen

Zahlreiche Personen gaben ihre Kursprognosen ab. Einige Stimmen prophezeiten bereits eine notwendige Korrektur, andere polarisierende Persönlichkeiten wie John McAfee gaben nach wie vor euphorische Kursprognosen von 1 Million USD pro Bitcoin bis 2020 an. Auch Bankhäuser wie Goldman Sachs haben sich mit Bitcoin beschäftigt und ihre Ergebnisse veröffentlicht; ihre Prognose sah ebenfalls einen Bärenmarkt für 2018 vor. Ein weiteres Beispiel war Kay Van-Petersen, Analyst der dänischen Saxo-Bank, der sich mit seiner korrekten Vorhersage im Jahr 2016 über den Bullenmarkt im Folgejahr einen Namen gemacht hatte.

Angesichts der Entwicklung bei Bitcoin im Januar 2018 – vom Kursgipfel ging es binnen weniger Tage haltlos rund 50 % in die Tiefe – mutete die Vorhersage recht optimistisch – um nicht zu sagen: utopisch – an. Für Van-Petersen war das aber nur ein Anlaufnehmen vor dem nächsten Spurt auf 50.000 bis 100.000 US-Dollar. Gegenüber dem US-Fernsehsender CNBC bezeichnete er den Rückschlag Anfang 2018 sogar als „gesund“.

Als Grund für seine Zuversicht nannte der Analyst den Handel mit Bitcoin-Futures. Dessen volle Auswirkungen seien damals noch nicht am Markt zu spüren gewesen. Im Dezember 2017 hatten die US-amerikanischen Derivatebörsen CME und CBOE die ersten Terminkontrakte auf Bitcoin eingeführt. Mit den Futures können Anleger auf den Verlauf des Kurses wetten, ohne die digitale Währung zwingend selbst besitzen zu müssen. Außerdem gelten die Terminkontrakte als komfortabler Türöffner für das Engagement institutioneller Anleger.

Die Auflösung/die Realität

Nach den extremen Kurssprüngen Ende 2017 hatten viele bereits eine Korrektur und ein ruhigeres Jahr 2018 erwartet. Genau diese Korrektur trat dann auch ein, als Bitcoin von 20.000 USD Ende 2017 innerhalber weniger Tage nahezu 50 % seines Wertes verlor und ein Bärenmarkt im Laufe des Jahres immer offensichtlicher wurde. Mittlerweile hat sich der Bitcoin-Kurs bei ca. 4.000 USD eingependelt, was zwar im Vergleich zu 1.000 USD Anfang 2017 immer noch eine Vervierfachung des Wertes in USD bedeutet, verglichen mit dem Allzeithoch allerdings als deutliche Korrektur erscheint.

Mit dem Preissturz bei Bitcoin wurden auch die anderen Altcoins mit hinabgerissen und Bitcoin konnte sich sogar als „sicherer Hafen“ unter den Kryptos positionieren, da die Kurse der meisten Altcoins noch stärker sanken (Bitcoin Cash beispielsweise von rund 3.000 USD auf 100 USD, Litecoin von 300 USD auf 30 USD und Cardano von 1 USD auf 0,05 USD). Entgegen der Erwartungen einiger Analysten kam es 2018 zu keinem „Flippening“ (ein anderer Coin löst Bitcoin als Nr. 1 ab), Bitcoin konnte seine Marktdominanz sogar signifikant von ca. 30 % auf mittlerweile über 50 % erhöhen und damit an alte Tage erinnern, als Bitcoin jahrelang mehr als 80 % der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ausmachte/in sich vereinte.

Ende des Wilden Westens bei ICOs

Mit den starken Kurskorrekturen kam auch die ICO-Manie/-Bubble zu einem Ende. Konnten selbst fragwürdige Projekte 2017 noch mehrere 100.000 USD bei ihren ICOs generieren, so stellte sich das 2018 ganz anders dar und viele Projekte setzten wieder auf private Finanzierungsrunden, um Kapital zu lukrieren. Viele kleinere Projekte, die ihre ICOs bereits abgeschlossen hatten, verkauften die eingenommenen Kryptowährungen (vor allem Ether) nicht und gerieten somit in finanzielle Schwierigkeiten. Die ICO-Manie scheint somit fürs Erste gebannt; auch Institutionen wie die BaFin in Deutschland und das EU-Parlament denken laut über Regulierungsmöglichkeiten in diesem Bereich nach.

Wann kommt der Bitcoin ETF?

Bitcoin ETFs stehen ebenfalls vor regulatorischen Hürden. ETFs sind bekanntlich passive Fonds, die sich an fixen Werten oder Aktienindizes orientieren. Ein Bitcoin ETF würde sich somit direkt am jeweils aktuellen Bitcoin-Kurs orientieren.

Immer mehr Fondsgesellschaften versuchten, einen mit echten Bitcoins hinterlegten Bitcoin ETF auf den Markt zu bringen, um auch institutionellen Anlegern Zugang zu Investitionen in Bitcoin zu ermöglichen, scheiterten bislang jedoch an den Aufsichtsbehörden. Die Entscheidung zum bekanntesten Bitcoin ETF von VanEck wurde bereits mehrmals von der SEC (der US-Börsenaufsicht) vertagt, der nächste Entscheidungstermin ist der 28. Februar. Die genauen Voraussetzungen der SEC können hier auf Deutsch nachgelesen werden.

ETF-ähnliche Produkte (ETPs) auf Kryptowährungen gibt es hingegen bereits. Beispiele hierfür sind ein Investment-Trust des New Yorker Finanzdienstleisters Grayscale, bei dem es sich de facto um ein Bitcoin ETP handelt. Ferner gibt es in Schweden ein Bitcoin ETN (Exchange Traded Note) und das Schweizer Amun Crypto ETP, mit denen man praktisch an der Börse in Kryptowährungen investieren kann.

BAKKT: Auch die New Yorker Börse mischt mit

Viele Krypto-Investoren warten gespannt auf die Plattform von ICE, dem Mutterunternehmen der New York Stock Exchange. Durch sie soll institutionellen Investoren der Weg in den Krypto-Markt erleichtert werden.

Das erste Produkt auf der Plattform sollen dabei Bitcoin-Future-Kontrakte sein. Das klingt erst einmal nicht neu, da es diese bereits seit fast einem Jahr an der CME und der CBOE gibt. Jedoch gibt es bedeutende Unterschiede zu deren Produkten. Die Futures der ICE werden physisch abgerechnet, was bedeutet, dass Kunden nach Ablauf ihrer Future-Kontrakte reale Bitcoins statt des Baräquivalents in US-Dollar erhalten würden.

„Angesichts des großen Interesses an BAKKT und der Arbeit, die erforderlich ist, um alle Teile zusammenbringen, werden wir uns auf den 24. Januar 2019 konzentrieren, um sicherzustellen, dass unsere KundInnen bereits ab Tag 1 auf unserer Plattform handeln können“, sagte Kelly Loeffler, CEO von BAKKT.

Wir sind also genau wie beim ETF gespannt, was die nahe Zukunft bringen wird und ob der Launch ohne Verzögerung am 24. Januar erfolgen wird.

Der Bitcoin Cash Hardfork

Etwa alle 6 Monate führt Bitcoin Cash geplante Hardforks, sogenannte Protokoll Upgrades, durch, also Weiterentwicklungen der Open-Source-Software, bei denen Änderungen ausgerollt werden, die zu älteren Versionen inkompatibel sind. Bislang stießen die Hardforks bei der Community durchwegs auf Akzeptanz; so wurde beispielsweise die Erhöhung der Blockgröße und damit der Transaktionskapazität von Bitcoin Cash von 8 auf 32 MB im Rahmen des letzten Hardforks vom Großteil als sinnvoll erachtet. Diesmal stieß das geplante Upgrade am 15.11.2018 jedoch auf Unstimmigkeiten: Bitcoin ABC und Bitcoin SV sind zwei verschiedene Teams, die unterschiedliche (aber bisher zueinander kompatible) Implementierungen der Bitcoin-Cash-Software veröffentlichen.

Mittlerweile hat sich Bitcoin ABC als „echtes“ Bitcoin Cash durchgesetzt, Bitcoin SV hat resigniert und möchte sich laut eigener Aussage auf seinen Weg als „wahrer Bitcoin“ konzentrieren. Beide wollen in zukünftigen Updates beispielsweise Skalierungslösungen wie 0-confirmation-Transaktionen (Transaktionen, die ohne Bestätigung durch das Netzwerk akzeptiert werden) implementieren. Wie erfolgreich die Umsetzung wird, wird sich zeigen.

Innovationen bei Bitcoin wurden benutzbar(er)

SegWit, das beim großen Bitcoin Hardfork 2017 aktiviert wurde, ist immer mehr im Kommen und hat sich 2018 weitgehend etabliert. Bei SegWit geht es zusammenfassend gesagt darum, dass Teile der Transaktionsdaten bei Bitcoin, die zur korrekten Validierung nicht direkt relevant sind, nicht in den Blöcken gespeichert, sondern ausgelagert werden. Somit kann ein einzelner Block (bei Bitcoin 1 MB Größe) bis zu 4-mal mehr Transaktionen enthalten.

Eine zweite wichtige Innovation, das Lightning Network, findet immer mehr Anklang und wird benutzbar, sogar mobile Lightning-fähige Wallets sind bereits im App Store und Google Play Store erhältlich. Die Gesamtkapazität an Bitcoin im Netzwerk stieg von 1 BTC im Jänner 2018 bis über 500 BTC im Dezember 2018.

Auch weitere Lösungen wie die Smart-Contract-Implementierung Rootstock für Bitcoin und Mimblewimble schreiten voran. Rootstock ist mittlerweile im Testbetrieb benutzbar und Mimblewimble hat mit Beam und Grin bereits zwei Coins, die auf die ursprünglich für Bitcoin entwickelte Skalierungslösung setzen und Anfang 2019 aktiviert wurden.

Krypto-Unternehmen haben mehr Zeit für Innovation/F&E

In der derzeit ruhigen Marktlage haben Unternehmen im Krypto- und Blockchainsektor die Möglichkeit, innovative Lösungen und Dienstleistungen schneller weiterzuentwickeln.

Auch wir bei Coinfinity konnten 2018 beispielsweise DASH auf unserer Online-Plattform integrieren sowie neue Produkte für unsere KundInnen wie den automatisierten Bitcoin-Sparplan schaffen und in Kooperation mit der Österreichischen Staatsdruckerei die Card Wallet entwickeln. Außerdem haben wir mit Coinfinity Pay eine eigene Lösung zum Akzeptieren von Bitcoin-Zahlungen entwickelt, mit denen Unternehmen neben Bitcoin-Transaktionen auch Lightning-Zahlungen akzeptieren und die Zahlungen optional direkt nach Erhalt in EUR konvertieren können.