Das Konzept digitaler Zentralbankwährungen

Als vor einigen Wochen der Präsident der Federal Reserve Bank von Philadelphia, Patrick Harker, die Idee äußerte, dass Zentralbanken früher oder später digitale Währungen freigeben sollten, geriet das Thema digitale Zentralbankwährungen wieder vermehrt in den öffentlichen Fokus.

Nun folgte eine weitere große Nachricht: Wie die russische Nachrichtenagentur TASS berichtet, hat die tunesische Zentralbank eine eigene digitale Währung veröffentlicht. Der sogenannte E-Dinar ist somit die erste CBDC (Central Bank Digital Currency), sprich digitale Währung, die von einer Zentralbank herausgegeben wird. Verbraucher werden in den kommenden Monaten Zugang zur Währung erhalten.

Die dazugehörige Blockchain wurde von einem russischen Tech-Unternehmen namens Universa entwickelt; der Zugang zur Währung soll dabei online beziehungsweise über lokale Ausgabestellen erfolgen. Dort können die Verbraucher über eine Browser-Anwendung oder künftig über eine App Gelder in eine digitale Wallet einzahlen. Transaktionen werden dabei wie für Kryptowährungen üblich über Eingabe einer Adresse bzw. durch das Scannen eines QR-Codes durchgeführt.

Laut Pressemitteilung hat Universa bereits vor rund einem Jahr mit der Entwicklung der Blockchain für den E-Dinar begonnen.

Was kann man sich unter CBDCs genau vorstellen und wie ist der Stand der Dinge?

CBDCs sind im Prinzip nationale digitale Währungen, die von einer öffentlichen Institution, in der Regel einer Zentralbank, herausgegeben und kontrolliert werden. Sie unterscheiden sich insofern von dezentralen Kryptowährungen wie Bitcoin, als dass sie Fiatgeld in digitaler Form darstellen. In der Regel stellt jede Einheit einer CBDC das digitale Äquivalent einer tatsächlichen Banknote mit dem jeweiligen Nennwert und der Seriennummer dar.

Auch andere Staaten arbeiten an CBDCs: Gerüchten (und öffentlichen Äußerungen) zufolge tüfteln unter anderem Staaten wie Malaysia, die Philippinen, Argentinien, Brasilien und China bereits an der Emission eigener CBDCs. Vor allem Chinas Zentralbank PBoC feilt schon seit mehreren Jahren an der Veröffentlichung einer eigenen Zentralbankwährung, welche unter dem Projektnamen DCEP entwickelt wird. Die Zentralbank hat auch bereits öffentlich bestätigt, dass die digitale Währung ausdrücklich dazu entworfen werde, die derzeit im Umlauf befindlichen Münzen und Noten des chinesischen Renminbi langfristig zu ersetzen. Die neue Währung solle zuerst an chinesische Geschäftsbanken und in weiterer Folge von diesen an die Verbraucher ausgegeben werden.

Man sei zwar „fast bereit“ für die Veröffentlichung des DCEP, wann der genaue Termin dafür ist, lässt man jedoch derzeit noch offen. Dass es aber nicht mehr lange dauern soll, bestätigt auch ein Statement der PBoC von Juli 2019: Laut ihrer Ansicht drohe ausgehend von Libra eine weitere Stärkung des US-Dollars als weltweite Leitwährung. Nach Ansicht Pekings handle es sich bei Libra somit „definitiv um eine Gefahr für die Währungssouveränität Chinas“.

Sicher ist auf jeden Fall: Tunesiens E-Dinar war erst der Anfang, zahlreiche weitere Staaten arbeiten bereits aktiv an digitalen Zentralbankwährungen und weitere CBDCs sind somit nur noch eine Frage der Zeit. Was das für die Hintergrundidee von Kryptowährungen allgemein und für den internationalen Zahlungsfluss bedeutet, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.