Der Bitcoin Cash Hardfork und die Konsequenzen

Seit dem Bitcoin Cash Hardfork ist nun bereits einige Zeit vergangen. Was hat sich seither verändert? Was ist passiert?

Die Konsequenzen des Bitcoin Cash Hardfork
Die Konsequenzen des Bitcoin Cash Hardfork

Ende 2018 gab es bei Bitcoin Cash einen Hardfork, aus dem Bitcoin ABC („Adjustable Blocksize Cap“, zu Deutsch: anpassbare Blockgröße) und Bitcoin SV („Satoshi’s Vision“) hervorgingen. Welche Visionen die beiden Lager von Bitcoin ABC und Bitcoin SV vertreten und worin sich die beiden Versionen technisch unterscheiden, haben wir damals bereits in einem eigenen Blogartikel beleuchtet. Was hat sich da bis heute getan?

Kurz zusammengefasst: Bitcoin Cash hat alle 6 Monate ein Update, bei dem der Quellcode geändert wird. Das Bitcoin-ABC-Lager mit seinem prominenten Vertreter Roger Ver und das Bitcoin SV Lager um den (lt. eigener Aussage) vermeintlichen Satoshi Nakamoto Craig Wright (der dies jedoch bis heute nicht belegen konnte) konnten sich jedoch nicht auf eine gemeinsame Update-Policy einigen, wodurch es zu einer Spaltung (Hard Fork) und damit zu zwei neuen Blockchains bei Bitcoin Cash kam.

Nach dem Hard Fork kam es zu einem Hash War zwischen Bitcoin ABC und Bitcoin SV. Ein Hash War bedeutet vereinfacht, einen „Kampf“ um die höhere Rechenleistung im eigenen Netzwerk zu führen, wodurch die Relevanz der eigenen Blockchain gesteigert und ein Anreiz für andere Miner geschaffen werden soll, ebenfalls auf dieser Chain zu minen. Das ultimative Ziel dieses Hash Wars der beiden Lager wäre, die jeweils andere Chain irrelevant zu machen, da man einen Großteil der Rechenleistung auf der eigenen Chain vereint. Da es außerdem keine Replay Protection gab, konnten Daten von Transaktionen auf der einen Chain kopiert und damit die gleiche Transaktion auf der anderen Chain ausgelöst werden. Der Hash War endete somit erst, als Bitcoin SV offiziell erklärte, Replay Protection einzuführen, und somit Bitcoin ABC das Feld als „wahres Bitcoin Cash“ überließ. Bitcoin SV begründete dies unter anderem damit, dass sich die Community selbst nicht als Bitcoin Cash, sondern als Bitcoin verstehe.

Bitcoin ABC wird von der Mehrheit unterstützt und trägt mittlerweile auch offiziell wieder den Namen Bitcoin Cash. Bitcoin Cash steht unter anderem für Canonical Transaction Ordering (eine Variante, Transaktionen in Blöcken nach einem gewissen Schema anzuordnen) und ein neues Kommando (OP-Code „OP_CHECKDATASIGVERIFY“, oft auch mit „DSV“ abgekürzt) für die Script-Sprache von Transaktionen. Bitcoin SV hingegen steht für eine Erhöhung der Blockgröße auf 128 MB statt der bisherigen 32 MB und das Erhöhen/Entfernen des OP-Code-Limits sowie die Aktivierung von OP-Codes, die vor langer Zeit in der Bitcoin-Software deaktiviert wurden. Genauere Informationen können jederzeit unserem oben verlinkten Blogartikel entnommen werden.

Das „Flippening“

Anfang Dezember kam es zum „Flippening“, als Bitcoin SV kurzzeitig die Marktkapitalisierung von Bitcoin Cash („Bitcoin ABC“) übertreffen konnte, während der Rest des Kryptomarktes im wahrsten Sinne des Wortes „blutete“/starke Verluste verzeichnete.

Die meisten Währungen der Top 100 verloren in diesen Tagen über 20 %, Bitcoin SV konnte hingegen ein Plus von über 20 % und damit eine Marktkapitalisierung von über 2 Mrd. US-Dollar verzeichnen, wodurch Bitcoin Cash kurzzeitig in puncto Marktkapitalisierung überholt werden konnte.

Dieses Flippening kann mehrere Gründe haben. Einerseits gab es zur Zeit des Flippenings das Announcement bei Bitcoin SV, dass man mit dem sogenannten Metanet eine auf Bitcoin SV basierende Alternative zum Internet schaffen wollte. Andererseits wurde über eine mögliche Preismanipulation spekuliert, da Craig Wright mehrmals Andeutungen gemacht hat, seine großen Bestände an Bitcoin und Bitcoin Cash zu verkaufen und damit wiederum Bitcoin SV zu erwerben. Auch die unbestätigten Gerüchte, dass der Krypto-Mining-Gigant Bitmain im vergangenen Quartal hunderte Millionen Dollar verloren hat, könnten BCH belasten, da das Unternehmen einer der Top-Unterstützer von Bitcoin Cash ist und als einer der weltweit größten BCH-Inhaber gilt.

Aktueller Stand

Bitcoin ABC konnte sich mit einer Marktkapitalisierung von 2,8 Milliarden USD deutlich von Bitcoin SV (1,5 Mrd. USD) absetzen (Stand: 7.1.2019). Wie oben erwähnt, hat Bitcoin SV mittlerweile auch offiziell den Namen „Bitcoin Cash“ an Bitcoin ABC abgetreten und beansprucht diesen nicht mehr für sich. Außerdem hat Bitcoin SV sein Logo mit Beginn 2019 geändert, um sich offensichtlich dem bekannten Bitcoin-Logo anzunähern (siehe Grafik). Die Bitcoin-SV-Community rund um Craig Wright und den Milliardär Calvin Ayre betont jedoch, die Entscheidung, Bitcoin ABC den „Bitcoin Cash“-Namen zu überlassen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen und Bitcoin SV müsse sich jetzt auf den eigenen Weg und kommende Updates fokussieren.

Ausblick

Bitcoin Cash (kurzzeitig Bitcoin ABC genannt) konnte sich wohl vorerst etablieren und Bitcoin SV in die Schranken verweisen, da ein Großteil der Personen und Unternehmen im Kryptobereich diese Bitcoin-Cash-Variante unterstützt.

Beide geben auf ihrer jeweiligen Website ihre Roadmap (also geplante Updates und Änderungen mit einer ungefähren Zeitangabe) an.

Die Roadmap von Bitcoin Cash konzentriert sich lt. eigener Aussage auf 3 Bereiche:

1) Die Verbesserung von 0-confirmation-Transaktionen. Diese sollen kurze Transaktionszeiten bieten und Händler können eine Bitcoin-Cash-Transaktion schon nach wenigen Sekunden als gültig ansehen. (Diese Transaktionen sind jedoch immer mit extremer Vorsicht zu genießen, wie am Ende des Artikels genauer erläutert wird.)

2) Unmittelbare „Flaschenhälse“ wie den Mempool-Zulassungscode und das Mining-RPC zu beseitigen, damit Bitcoin Cash besser skalieren kann.

3) Verbesserung der Fungibilität (bspw. durch integrierte Mixing-Funktionen).

Bitcoin SV fokussiert sich laut eigener Aussage einerseits auf größere Blöcke (bis zu 2 GB scheinen für die Community vorstellbar), bessere Skalierung durch Maßnahmen wie parallele Validierung von Transaktionen sowie ebenfalls eine Verbesserung der Sicherheit von 0-confirmation-Transaktionen (also Transaktionen, die keine Bestätigung durch das Netzwerk benötigen).

Das Akzeptieren von 0-confirmation-Transaktionen ist jedoch sehr unsicher, wie mehrmals (unter anderem hier) gezeigt wurde. In diesem Blogpost demonstrierte ein User namens reizu, wie er dank 0-confirmation-Transaktionen sogenannte Double-spends schafft, also dieselben Coins doppelt ausgibt. Diese Art von Attacke ist sowohl bei Bitcoin als auch bei Bitcoin Cash und Bitcoin SV theoretisch möglich, weswegen es sich gerade bei größeren Transaktionen immer empfiehlt, zur Sicherheit auf confirmations (Bestätigungen im Netzwerk) zu warten. Faustregel: bei kleinen Zahlungen 1, bei mittleren (1.000 € – 10.000 €) 3 und bei großen Zahlungen (>10.000 €) zumindest 6 Bestätigungen im Netzwerk abwarten.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass beide Lager eine ehrgeizige Roadmap haben. Ob die Ziele auch wirklich eingehalten werden können, wird sich zeigen.