„Finanzbetrug? Nicht mit mir!“

Nie wieder Finanzabzocke! Was Sie über Finanzbetrug wissen sollten und wie Sie sich vor Betrügern schützen können, erklärt Matthias Reder, Leiter Compliance & AML bei Coinfinity, in diesem Artikel.

Beim Versuch, Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, wird kein Themenschwerpunkt ausgelassen – egal ob Alternativenergien, Nachhaltigkeit, Edelmetalle, Aktien, Daytrading/Arbitrage oder auch Kryptowährungen. Mit dem Versprechen einer raschen Wertsteigerung bzw. hohen Rendite wird Otto Normalverbraucher heutzutage oft in Finanzbetrügereien gelockt.

Der Durchschnittsbürger kann sich oft nur bedingt gegen die aggressive Werbelinie von dubiosen Finanzanbietern zur Wehr setzen. In regelmäßigen Abständen wird die betreffende Werbeeinschaltung für das potenzielle Opfer bezahlt und geschickt online in seinem Newsfeed platziert. Die sensationellen Erfolgsgeschichten suggerieren auf Social-Media-Plattformen den großen Investerfolg für oft nur kleines Geld.

In den meisten Fällen werden Finanzprodukte bzw. Finanzgeschäfte in Aussicht gestellt, für die man so gut wie keine Vorkenntnisse besitzen muss. Diese Geschäfte sollen zu einer hohen Rendite/Verzinsung führen oder das Investment sich im Wert/Preis gewaltig steigern können. Leider gilt aber auch hier: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Doch wie erkennt man auch als Laie solche unwahren Behauptungen? Woran kann man sofort erkennen, dass die Renditeversprechungen nur Lug und Trug sind?

Anbei eine Zusammenfassung der gängigsten Merkmale von betrügerischen Finanzgeschäften:

-) Verglichen mit dem aktuellen Markt- oder Zinsniveau werden ungewöhnlich hohe Renditen/Zinsen in Aussicht gestellt bzw. einfach fix versprochen (z. B. 0,5 % pro Tag, 2 % pro Woche – oder aus EUR 250 werden EUR 2.500 innerhalb von zwei Wochen).

-) In der Regel nimmt der Betrüger den Erstkontakt auf bzw. schaltet gezielt Werbung auf einer Social-Media-Plattform (z. B. Facebook, YouTube…) und ruft dann an, sobald Sie ein Kontaktformular ausgefüllt haben.

-) Viele Betrugssysteme leben auch von Mundpropaganda im direkten Umfeld, da man gezielt auf den „Bekannteneffekt“ setzt und Betroffene in ihrer Begeisterung für das vermeintliche Investment versuchen, Freunde und Bekannte ebenfalls anzuwerben. Da dies oft bei kleineren Investments von einigen hundert Euro passiert, fürchten viele Betrüger keine polizeilichen Konsequenzen. Immerhin zeigt niemand gerne seine Freunde oder Bekannten an.

Wie kann ich mich davor schützen?

-) Prüfen Sie den Anbieter ganz genau: Welches Unternehmen bietet Ihnen für welche Gegenleistung welches Service an? Warum sollen Sie bei einer Firma einzahlen, wenn die Dienstleistung von einer anderen Firma erbracht wird? Wie lautet der Name der Firma bzw. welche offizielle Geschäftsadresse und Firmen- oder Handelsregisternummer weist diese auf? Womit wird bezahlt (Euro, Bitcoins, US Dollar …) und wohin zahle ich ein? Gibt es überhaupt ein rechtlich vorgeschriebenes Impressum auf der Homepage und wenn ja, ist es auch vollständig?

-) Suchen Sie gezielt auf der Homepage der FMA – Finanzmarktaufsicht Österreich (www.fma.gv.at) nach Informationen, ob das Unternehmen überhaupt eine gültige Zulassung für den Finanzvertrieb in Österreich hat und ob es nicht eine offizielle Investorenwarnung der Behörde dazu gibt.

-) Wenn Sie sich unsicher fühlen, fragen Sie aktiv nach – bei Finanzgeschäften steht Ihnen dazu die FMA sehr gerne zur Verfügung (schriftlich per Online-Kontaktformular oder auch telefonisch unter der Nummer +43 (0)1 249 59-3444). Die FMA-Verbraucherinformation ist von Montag bis Donnerstag von 09:00 bis 11:30 sowie Donnerstagnachmittag von 13:00 bis 16:00 Uhr für Sie erreichbar.

In der Regel starten Betrügereien mit Kleinstbeträgen rund um EUR 250. Die Betrüger rechnen damit, dass dieser Betrag zu gering ist, um bei Totalverlust den Aufwand einer Anzeige in Kauf zu nehmen. Die Täter spekulieren auch damit, dass die Scham, sich als Opfer bei der Polizei zu melden, das Risiko einer Anzeige minimiert. Dies erschwert den  ermittelnden Behörden die Arbeit, da sie nur bei erfolgten Anzeigen die notwendigen Informationen erhalten.

Hier könnte ein anonymer Hinweis, der sogar von zu Hause aus abgeschickt werden kann, extrem hilfreich sein. Wenn die Behörden sehen, dass zu ein und demselben Betrugsschema bereits mehrere Hinweise eingegangen sind, können noch rechtzeitig wertvolle Onlinespuren gesichert oder Warnungen publik gemacht werden. Geschädigte könnten so die entscheidenden Hinweise zu den noch aktiv operierenden „Vertriebsmitarbeitern“ oder generell den Hintermännern liefern.

Helfen Sie mit der Aufklärung schwerer Straftaten im Bereich der Wirtschaftskriminalität und wahren Sie gleichzeitig Ihre Anonymität! Start Whistleblowing!

Denn auch wenn der eigene Verlust in Höhe von EUR 250 zwar schmerzlich, aber selten existenzbedrohend ist, so sollte man das gesamte Ausmaß des Betrugs nicht außer Acht lassen. Werden viele Menschen Opfer der Betrugsmasche, so können sich die Betrüger um Millionenbeträge bereichern – noch bevor überhaupt eine Strafverfolgung startet. Denn diese wird per Gesetz erst dann möglich, wenn es zumindest einen Geschädigten gibt, der sich an die Polizei wendet und den Betrug anzeigt.

Die Vorteile einer anonymen Anzeige im Überblick:

-) Die Meldung ist online jederzeit und von überall – auch von zu Hause aus – möglich.

-) Es kommt zu keinen Schamgefühlen vor der Polizei angesichts der eigenen fehlerhaften Entscheidung bzw. der eigenen Gutgläubigkeit.

-) Die vollkommene Anonymität des Opfers ist in jedem Fall gewährleistet. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn der „Vertriebler/Werber“ aus dem direkten Familien- oder Freundschaftsumfeld stammt.

Dazu stehen Ihnen zwei Whistleblowing-Möglichkeiten zur Verfügung:

FMA:

https://www.bkms-system.net/bkwebanon/report/clientInfo?cin=11FMA61&c=-1&language=ger

WKSta:

https://www.bkms-system.net/bkwebanon/report/clientInfo?cin=1at21&c=-1&language=ger

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gibt es noch weitere Opfer, die in die gleiche Falle getappt sind. Durch die Anzeige kann man aber zumindest verhindern, dass noch mehr Menschen ihr hart verdientes Geld verlieren. Achtung: Whistleblowing kann eine polizeiliche Anzeige nicht ersetzen – diese sollte dringend bei finanziellen Verlusten durch Finanzbetrug gemacht werden!