Öffentlich(-rechtliche) Anwendungen der Blockchain-Technologie

Die Blockchain-Revolution ist bereits in vollem Gange. In diesem Blog möchten wir uns einige Beispiele von Anwendungsmöglichkeiten aus dem öffentlichen Sektor genauer anschauen.

Die Blockchain-Technologie und ihre Vorteile bieten auch im öffentlichen Sektor Chancen. Bereits heute setzen staatliche Institutionen die Technologie ein, um Verwaltungsaufgaben zu vereinfachen, Bürokratie abzubauen und Datenintegrität zu garantieren. Der erste große Vorteil besteht in der Irreversibilität von einmal auf der Blockchain gespeicherten Daten. In dezentralen Systemen kann keine Partei die Daten unbemerkt verändern. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass durch sogenannte trustless systems (also Systeme, die ohne Vertrauen funktionieren und auf Kryptografie und Mathematik basieren) Bürokratie abgebaut und Verwaltung im Allgemeinen möglichst effizient gestaltet werden kann.

Niederlande: Personalausweis mit Blockchain

Im September 2018 gab Gemalto, das niederländische Unternehmen für digitale Sicherheit, den Start des Gemalto Trust ID Network bekannt, einer Plattform für Datenaustausch. Diese verwendet Corda, eine private Blockchain- bzw. DLT-Plattform, die von der Firma R3 aus New York entwickelt wurde. Die neue Plattform ermöglicht es den Nutzern, ihre Identität beim Zugang zu digitalen Dienstleistungen nachzuweisen. Darunter fallen Online-Banking, Online-Handel und sogar staatliche Webseiten.

Wien: öffentliche Verwaltungsdaten mit Blockchain sichern

Die Stadt Wien hat ebenfalls einen ersten Schritt für den Einsatz der Blockchain-Technologie in Verwaltungsprozessen gesetzt.

Im Dezember 2017 wurde die damals im deutschsprachigen Raum erste Plattform gelauncht, die öffentliche Verwaltungsdaten mithilfe der Blockchain absichert. Die Prüfsummen der Open Government Data der Stadt Wien werden auf öffentlichen Blockchains wie Bitcoin, Litecoin und Ethereum abgelegt: So können alle Nutzerinnen und Nutzer sowohl die Echtheit überprüfen, als auch den Erstellungs- oder Änderungszeitpunkt der Dokumente jederzeit online nachvollziehen (zu finden unter: https://open.wien.gv.at/site/blockchain/)

Aragonien: blockchainbasierte Verwaltung

Wie Europa Press am 17. September berichtete, hat sich die autonomische spanische Region Aragonien dazu entschieden, mithilfe der Blockchain-Technologie die aragonesische Verwaltung transparenter, effizienter und somit attraktiver für neue Unternehmen zu gestalten. So hat Fernando Gimeno Marín, der Berater für Finanzen und öffentliche Verwaltung in der aragonesischen Regierung, einen Vertrag mit dem spanischen Unternehmen Alastria unterzeichnet. Alastria ist nach eigenen Angaben ein „halböffentliches, unabhängiges, genehmigtes und neutrales Blockchain-/DLT-Netzwerk“, das seinen Partnern ermöglicht, „diese Technologien in einer kooperativen Umgebung zu testen“. Aragonien wird als neuer Partner dieses Konsortiums die erste spanische autonome Gemeinschaft sein, die blockchainbasierte Dienste auf Landesebene anbietet, um Verwaltung effizienter zu gestalten.

Estland: KSI Blockchain

Estland experimentiert bereits seit Anfang der 2000er mit Blockchain-Technologie bzw. ihren Vorläufern und hat bereits mehrere öffentliche Bereiche schrittweise auf Blockchain umgestellt. Das zentrale Element stellt hier die sogenannte KSI Blockchain dar. Diese wurde von der Firma Guardtime entwickelt.

Im Prinzip geht es hier nicht darum, die Daten direkt auf einer Blockchain zu speichern, sondern auf dieser Blockchain Hashes der ursprünglichen Daten zu hinterlegen, damit diese Daten nicht unbemerkt verändert werden können und somit Datenintegrität garantiert werden kann.

Unter anderem verwendet das elektronische ID-System e-Health Record Blockchain-Technologie, um die Gesundheitsdaten der Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Weitere Bereiche, die durch KSI geschützt werden, sind die elektronische Gesundheitsakte und die Rezeptdatenbank, e-Law- und e-Court-Systeme, e-Police-Daten, e-Banking, e-Business-Register und das estonische e-Grundbuch.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Hashes der KSI Blockchain werden nicht nur online, sondern auch offline in weit verteilten, physischen Medien wie Zeitungen veröffentlicht, damit eine unbemerkte Datenmanipulation zusätzlich ausgeschlossen werden kann.