₿itCoffee in Vietnam: Interview mit Gründer Anton

Anton wollte mit seinem Bitcoin-Café einen Ort schaffen, an dem Bitcoin nicht nur ein Thema ist, sondern gelebt wird: ein Treffpunkt für die Community, an dem man gutes Essen und Kaffee bekommt und gleichzeitig kostenlos etwas über Bitcoin lernen und sich austauschen kann.

"Immer mehr Menschen spüren, dass etwas nicht mehr stimmt. Alles wird teurer, und trotz Sparens kommen sie real oft nicht voran, weil die Entwertung des Geldes schneller ist als der Vermögensaufbau. Die meisten verstehen aber noch nicht wirklich, woher diese Entwicklung kommt."

Anton im Portrait

Anton, 38, kommt aus Augsburg, lebt seit Anfang 2026 in Da Nang. Er hat Deutschland verlassen, um freier zu leben – und um ₿itCoffee zu gründen: ein Bitcoin-Café und Community-Space, in dem man Bitcoin nicht nur bespricht, sondern erleben kann. Hier gibt es kostenlose Schulungen, Präsentationen und guten Kaffee wie auch gesundes Essen zu fairen Preisen. Jeder, der mehr über Bitcoin erfahren oder sich mit Gleichgesinnten austauschen will, ist willkommen.

Fragen und Antworten

Hallo, erzähl uns kurz von dir: Wer bist du, und wie bist du auf die Idee gekommen, ein Cafe in Vietnam zu eröffnen?

Ich bin Anton und komme aus Augsburg. Ich habe Deutschland verlassen, weil ich ein freieres und einfacheres Leben führen wollte. Vietnam hat mich mit dem Wetter, der Natur, den Menschen und den niedrigen Lebenshaltungskosten überzeugt.

Die Idee zu ₿itCoffee entstand bereits vor etwa zwei Jahren – damals noch als Vision, die ich eventuell in fünf Jahren umsetzen wollte. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Bitcoin nicht nur ein Thema ist, sondern gelebt wird: ein Treffpunkt für die Community, an dem man gutes Essen und Kaffee bekommt und gleichzeitig kostenlos etwas über Bitcoin lernen und sich austauschen kann.

BitCoffee Community Space

Wie erlebst du die Menschen in Vietnam im Umgang mit Geld und Sparen? Ist das im kollektiven Bewusstsein verankert oder eher ein Nischenthema?

Die Vietnamesen sind generell sparsam und praktisch. Viele haben gelernt, mit wenig auszukommen. Traditionell setzen sie vor allem auf Gold, Immobilien und Bargeld.

Was ich beobachte: Immer mehr Menschen spüren, dass etwas nicht mehr stimmt. Alles wird teurer, und trotz Sparens kommen sie real oft nicht voran, weil die Entwertung des Geldes schneller ist als der Vermögensaufbau. Die meisten verstehen aber noch nicht wirklich, woher diese Entwicklung kommt.

Was kam für dich zuerst: Bitcoin oder Kaffee? War das schon immer dein Traum oder hat sich das so ergeben?

Bitcoin kam zuerst. Ich bin seit Jahren (2021) absolut von der Idee überzeugt – vor allem von der Freiheit und Selbstbestimmung, die Bitcoin ermöglicht.

Das Café entstand aus der Praxis: Ich wollte in Vietnam etwas Eigenes aufbauen und einen Ort schaffen, an dem Bitcoin greifbar wird. Kaffee war die perfekte Brücke – ein Alltagsprodukt, das Menschen verbindet und den Einstieg in Gespräche erleichtert. Der Witz: Ich selbst lege gar keinen großen Wert auf Kaffee. Die Vorstellung, ein Café zu eröffnen, obwohl es mir im Kern um etwas ganz anderes geht, fand ich einfach genial.

Wie läuft eine Bitcoin-Zahlung bei dir ab – Lightning, On-chain, Cashu oder alle drei? Welches Setup nutzt du bei dir im Café?

Ich betreibe einen eigenen Full Node inklusive Lightning-Node. Vor Ort wird aktuell in VND bezahlt, weil es in Vietnam rechtlich nicht erlaubt ist, Dienstleistungen und Waren direkt in Bitcoin einzupreisen oder als offizielles Zahlungsmittel zu akzeptieren. Alles ist bei mir aber bereits vorbereitet – sobald sich die rechtliche Lage ändert, wird es höchstwahrscheinlich über Lightning laufen.

Bezahlung mit Bitcoin Lightning bei BitCoffee

Wie reagieren Gäste, wenn sie merken, dass sie bei dir mit Bitcoin zahlen können?

Die Reaktionen sind meist positiv, wenn ich erkläre, warum es sinnvoller ist, die Sats zu behalten und die Hintergründe dazu erläutere. Im Internet bekomme ich manchmal Kritik, weil man bei mir (noch) nicht direkt mit Bitcoin zahlen kann. Aber im ₿itCoffee geht es um deutlich mehr: um Aufklärung und tieferes Verständnis – nicht nur um die Zahlungsmöglichkeit.

Wie viel Prozent deiner Gäste zahlen wirklich mit Bitcoin – und sind das eher Touristen oder größtenteils Einheimische?

Aktuell zahlt niemand vor Ort mit Bitcoin – aus den genannten rechtlichen Gründen. Die Gäste, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen, sind sowohl internationale Besucher (90%) als auch vereinzelt Einheimische, die über die Meetups und den X-Kanal auf uns aufmerksam geworden sind.

Wie ist die Stimmung rund um Bitcoin in Vietnam – wird Bitcoin als neue Technologie angenommen, oder ist man prinzipiell skeptisch?

Ich habe bereits vor längerer Zeit einige Vietnamesen kennengelernt, die großes Interesse an Bitcoin hatten. Rund um die Covid-Zeit wurde das Thema in den Medien und von offizieller Seite jedoch stark negativ dargestellt, sodass bei vielen Angst und Zurückhaltung entstanden. Diese Haltung wird teilweise immer noch weitergegeben – obwohl sich die Lage inzwischen deutlich verändert hat.

Heute erlebe ich bei internationalen Gästen sowohl Zuspruch als auch Skepsis. Die Ablehnung hängt oft damit zusammen, dass viele Menschen tief im bestehenden Fiat-System verankert sind und sich nur schwer vorstellen können, dass es Alternativen gibt.

Vietnam steht in Adoption-Rankings eher weiter oben. Deckt sich das mit deiner Erfahrung, und gibt es vor Ort eher keine Community?

Das hohe Ranking kommt, glaube ich, vor allem durch den starken P2P-Handel zustande. Eine richtig sichtbare, organisierte Community wie in manchen europäischen Städten gibt es in Da Nang aktuell noch nicht. Wir haben zwar bereits die ersten Bitcoin-Meetups, aber die Anzahl der Gäste war leider noch überschaubar. Genau deshalb ist ₿itCoffee als Treffpunkt gedacht – wir wollen diese Lücke schließen und genau das aufbauen: einen realen Ort für Austausch und Bildung. Durch ₿itCoffee und den dazugehörigen X-Kanal konnte ich bereits einige Bitcoiner in Da Nang finden, die gar nicht wussten, dass es hier eine Community gibt. Genau das wollen wir ändern.

Kaffee und Bitcoin – gibt es einen Zusammenhang dieser beiden Dinge?

Der Name ₿itCoffee ist eher praktisch entstanden. Er klingt rund, ist leicht zu merken und enthält fast das ganze Wort „Bitcoin“. Auf die Idee hat mich ein ehemaliger Geschäftspartner gebracht – einer der intelligentesten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Er selbst hatte keinen Bezug zu Bitcoin, aber für den Namen bin ich ihm sehr dankbar.

Die eigentliche Entscheidung, etwas Eigenes aufzubauen, kam aus dem Wunsch, in Vietnam einen Ort zu schaffen, an dem Bitcoin gelebt wird.

Zum Schluss: Gibt es etwas, das wir nicht gefragt haben, das du den Leserinnen und Lesern dieses Interviews gerne mitgeben möchtest?

Bitcoin ist für mich nicht nur eine Investition oder Technologie, sondern eine Lebenshaltung.

An alle da draußen: Lasst euch nicht vom ganzen Noise und den vielen Meinungen beirren. Nehmt euch ein paar Stunden Zeit und beschäftigt euch ernsthaft selbst mit dem Thema. Wartet nicht darauf, bis irgendjemand euch sagt, was gut oder schlecht für euch ist. Eure eigene Recherche und euer eigenes Verständnis sind am wichtigsten.

Und wer gerade in Da Nang ist: Kommt gerne bei ₿itCoffee vorbei.

Granola und Eiskaffe bei BitCoffee

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