Was ist Geld? Teil 2 - Inflation, Geldpolitik und Eigenschaften des Geldes

Um verstehen zu können, was Bitcoin ist und weshalb es so ist, wie es ist, muss man zuerst verstehen, was Geld ist und was solides Geld ausmacht. In diesem zweiten Teil der Blogserie "Was ist Geld?" sehen wir uns die Inflation, Geldpolitik und Eigenschaften des Geldes an.

Disclaimer: Der folgende Beitrag stellt keine exakte wissenschaftliche Arbeit dar und ist geprägt von einer persönlichen Meinung. Geldtheorie ist keine absolute Wissenschaft wie beispielsweise die Mathematik. Vielmehr besteht sie aus verschiedenen Ansichten, dieser Beitrag repräsentiert eine Ansicht.

Eigenschaften

Welche Eigenschaften muss Geld erfüllen, um die Funktionen gut zu erfüllen und somit solides Geld zu sein?

Zahlungsmittel:

  • Es muss von der Mehrheit der Gesellschaft akzeptiert werden, um es möglich zu machen, es zu verwenden.
  • In einer modernen Wirtschaft muss es möglich sein digital, sicher und schnell Transaktionen durchzuführen.
  • Es darf keine Beschränkungen geben und nur der:die Besitzer:in kann darüber frei verfügen.

Wertspeicher:

  • Es muss begrenzt sein, beziehungsweise muss es hart sein zu erstellen.
  • Um den Wert von Geld zu erhalten, ist es wichtig, dass es eine physische Komponente besitzt. Gäbe es keine physische Komponente, könnte man sozusagen aus der Luft Geld produzieren und der Wert des Geldes würde nur auf Vertrauen, beziehungsweise Politik basieren.
  • Das Geld muss unabhängig von menschlichem Einfluss sein. Die Geschichte lehrt uns, dass wenn der Mensch Einfluss auf die Menge hat, diese Menge immer zu seinem Vorteil beeinflusst.
  • Damit man sparen kann, muss das Geld haltbar sein. Man muss es gut und lange aufbewahren können und es muss leicht zu transportieren sein.
  • Um ein langfristiger verlässlicher Wertspeicher zu sein, muss das Geld lange in die Zukunft planbar sein. Man muss wissen, wie sich die Menge in der Zukunft verhält, um heute bessere Entscheidungen treffen zu können.

Recheneinheit:

  • Es muss kurzfristig einen relativ stabilen Wert haben, damit man Waren und Dienstleistungen in jenem Geld bemessen kann.
  • Um als Zahlungseinheit zu funktionieren, muss das Geld teilbar sein. Es muss genauso für kleine, wie für sehr große Zahlungen zur Verfügung stehen.

Geldpolitik

Geldpolitik

Wie wird Geld heute geführt? Was ist Geldpolitik? Unter Geldpolitik versteht man alle Maßnahmen, welche die Zentralbank nutzt, um ihre Ziele zu verwirklichen.

Was ist die Zentralbank?

Die Zentralbank ist die oberste Instanz aller Banken. Sie wurde von diversen Staaten errichtet, somit gibt es in fast jedem Land eine eigene Zentralbank. Die wichtigsten sind die Fed aus den USA und die EZB aus Europa. Die Zentralbank besitzt ein Hoheitsrecht in Sachen Geld. Sie kann jenes Geld schaffen, das heute meistens verwendet wird. Sie ist hierbei jedoch nicht sehr transparent, die Öffentlichkeit kann hierbei nicht direkt mitbestimmen.

Was ist Ihr Ziel?

Das primäre Ziel der Zentralbanken ist es die Preise für Güter und Dienstleistungen stabil zu halten. Dies versucht sie in dem sie nicht zu viel Geld „druckt“. Heutzutage wird Geld jedoch nur mehr zu einem sehr geringen Prozentsatz physisch gedruckt. Das meiste Geld wird einfach in Form von Krediten oder direkten Käufen am Finanzmarkt erschaffen.

Die Zentralbank vergibt Kredite an Geschäftsbanken (Banken, die die Allgemeinheit benutzt) und schreibt so einfach Zahlen in die Kontobücher. Die Geschäftsbank vergibt wieder Kredite an seine Kunden:innen und schafft genauso nochmals Geld. Die Geschäftsbank ist hierbei relativ frei da sie in Europa nur 1% der Einlagen bei der EZB absichern muss. Diese 1% sind auch nur im Durchschnitt über einen gewissen Zeitraum zu halten und nicht jeden Tag.

Diese Einlage wird Mindestreservepflicht genannt und beschreibt das Mindestguthaben von Geschäftsbanken bei den Zentralbanken. Das primäre Instrument der Zentralbanken ist der Leitzins, welcher die Kosten für neues Geld für die Geschäftsbanken beschreibt. Ist der Leitzins niedrig sind Kredite billiger und es wird mehr Geld geschaffen, ist er hoch sind Kredite teurer und weniger Geld wird geschaffen.

Wie bereits erwähnt, ist es das Ziel der Zentralbank, die Preise stabil zu halten. Sprich eine geringe Inflation ist ihr Ziel.

Was ist Inflation?

Der Begriff Inflation stammt von dem lateinischen Wort “inflare” ab und bedeutet so viel wie aufblasen. Somit gibt jene Übersetzung bereits einen gewissen Vorgeschmack auf die Bedeutung der Inflation. Inflation ist Geldentwertung. Mit deinem Geld kannst du heute weniger kaufen als vor einem Jahr. Die vorrangige Ursache für Inflation ist die Ausweitung der Geldmenge. Würde man die Geldmenge nicht ausweiten, könnten Preise nicht steigen, sondern sie würden langfristig in absoluten Zahlen fallen.

Natürlich gibt es auch andere kurzfristige Faktoren welche Preise in die Höhe treiben. Dies wären zum Beispiel abrupte Engpässe beim Angebot von Rohstoffen. Langfristig ist jedoch die Zentralbank der Haupttreiber der Inflation, denn normalerweise würde langfristig alles billiger werden, wenn das Geld nicht dauernd entwertet würde.

Da die Effizienz und Produktivität langfristig enorm steigen erlaubt der technologische Fortschritt uns Güter und Dienstleistungen immer billiger zu produzieren und einzukaufen. Das heißt, Technologie hat einen deflationären (das Gegenteil von Inflation) Charakter.

Geldentwerung Graph

In dieser Grafik kann man gut erkennen, wie sich der reale Wert von 100 Euro bei verschiedenen Inflationsraten bis zum Jahr 2050 entwickelt. Bei 8% Inflation ist der Wert im Jahr 2031 bereits um mehr als die Hälfte gefallen. Sprich innerhalb von 9 Jahren (bei einer Inflationsrate von 8%) halbiert sich der Wert. Die momentane Inflationsrate im Euroraum liegt bei 9,9%.

(Quelle: Statistische Amt der Europäischen Union Statistics Explained, Zugriff: 19.10.2022)

Wie funktioniert Geldentwertung?

Preise regeln sich durch Angebot und Nachfrage. Gibt es sehr viel Nachfrage nach einem Gut, aber nur sehr wenig Angebot ist der Preis für dieses Gut sehr hoch. Wie bei begehrten Konzerttickets. Andersrum ist es natürlich genauso. Gibt es wenig Nachfrage, aber viel Angebot ist der Preis niedrig. Dieses Prinzip machen sich Zentralbanken zu Nutze. Um den Wert des Geldes zu verringern, erschafft sie mehr Geld wie es Nachfrage dafür gibt.

Wie wird die Inflation eigentlich gemessen?

Preisänderungen werden mit einem Warenkorb gemessen. In jenem Warenkorb kommen Güter, aber auch Dienstleistungen, die im Durchschnitt von den Menschen konsumiert werden. Der Preis dieses Warenkorbes wird von Jahr zu Jahr miteinander verglichen und so kommt ein Preisunterschied (= Inflation) zustande. In der EU gilt der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) als Maßstab. Die Zusammensetzung jenes Indizes wird regelmäßig verändert. Auch die Vorgehensweise bei der Berechnung der Gewichte kann geändert werden. So wird seit dem Eintritt der Corona Pandemie eine andere Vorgehensweise verwendet. Es wird nicht wie üblich zwei Jahre in die Vergangenheit gesehen, sondern nur eines, sprich nach dem Eintritt der Pandemie.  

(Quelle: Statistisches Bundesamt,Ableitung des HVPI-Wägungsschemas für das Jahr 2022 (Preisbasis Dezember 2021), Zugriff: 01.06.2022) 

Wer profitiert von Inflation?

Schuldner profitieren in erster Linie von Inflation. Ihre Schulden werden in realem Wert kleiner. So können beispielsweise Staaten ihre Schulden leichter bedienen, ohne dafür eine Mehrleistung zu verrichten. Hierbei gilt es zu erwähnen, dass der Staat Österreich seit 1995 nur in zwei Jahren einen öffentlichen Überschuss generieren konnte, in den anderen 25 Jahren wurde ein Defizit generiert.

(Quelle: Statistik Austria, https://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/oeffentliche_finanzen_und_steuern/maastricht-indikatoren/oeffentliches_defizit/index.html, Zugriff: 01.06.2022 )

Wie kommt das Geld eigentlich zu uns?

Wie bereits beschrieben wird Geld über Kredite geschaffen, aber auch durch direkte Käufe am Finanzmarkt von der Zentralbank. Die Zentralbank schreibt sich selbst Geld gut und tätigt hiermit Käufe am Finanzmarkt. Dadurch steigen Vermögenswerte natürlich und wohlhabende Menschen profitieren direkt von der Art und Weise, wie Geld geschaffen wird zuerst. Erst wenn wohlhabende Menschen (Menschen mit vielen Vermögenswerten) ihr Geld ausgeben, sickert jenes Geld zu den anderen Menschen durch. Eine Folge daraus ist die immer größere Schere zwischen Arm und Reich. Die Gehälter der hart arbeitenden Menschen steigen nicht im gleichen Ausmaß wie Vermögenswerte. Eine Folge hiervon ist, dass es immer schwerer für die Mittel- und Unterschicht wird, leistbares Wohnen zu finden, da Häuser auch Vermögenswerte sind.

Was ist ein Vermögenswert?

Ein Vermögenswert beschreibt ein Gut, welches zur Generierung von Vermögen dient. Beispiele hierfür sind Aktien, Unternehmen, Anleihen, Immobilien oder Gold.

Vermögenswert Stock Exchange

Wie man sieht, gibt es also eine Vielzahl an Problemen im heutigen Geldsystem. Bitcoin versucht diese Probleme zu beheben und wir versuchen euch Bitcoin näher zu bringen.

Weiterführende Literatur:
Guido Hülsmann - Ethik der Geldproduktion
Niall Ferguson - der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte
Rüdiger Rauls - Wie funktioniert Geld?

Links:
Der Bitcoin-Standard | Aprycot Media

Layered Money | Aprycot Media

Der Preis der Zukunft | Aprycot Media

Der Fiat-Standard
       
WTF Happened In 1971?