„Von in God we trust über in State we trust zu in Math we trust.”

Prof. Peter Kotauczek ist Vorstandsvorsitzender der BEKO Holding GmbH & Co KG, die seit Ende 2017 als Investor bei Coinfinity aktiv ist. Im Interview haben wir ihn zu seinem persönlichen Interesse an Kryptowährungen sowie zu seinen spannenden Projekten befragt.

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Peter Kotauczek ist nach eigener Angabe Mehrfach-Studienabbrecher. Er absolvierte die HTL (Schwerpunkt Maschinenbau) mit Auszeichnung im zweiten Bildungsweg, hat sowohl sein Jus-Studium als auch das Studium „Werbung und Verkauf“ an der Wirtschaftsuni abgebrochen und sich autodidaktisch Kenntnisse zum Thema „Apparative Kunst“ angeeignet. Er war an der Gründung mehrerer Firmen beteiligt, wurde zum Trend-Unternehmer des Jahres 1993 gewählt und war für den Aufbau der BEKO-Firmengruppe verantwortlich. Börse IPO am „Neuen Markt“, Aufgrund seiner Erfolge wurde er an die Hochschule für angewandte Kunst sowie als Gastprofessor an die Donau Universität Krems berufen. Kotauczek blickt bereits auf zahlreiche Kunstausstellungen und Preise zurück und hat eine Vielzahl an wissenschaftlichen Publikationen zum Thema „Humaninformatik“ veröffentlicht. Zudem ist er Gründer und Leiter des IHI (Institut für Humaninformatik).

Coinfinity: Hallo, Herr Kotauczek! Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit uns genommen haben. Fangen wir gleich mit der ersten Frage an: Wie kamen Sie eigentlich zum Thema Kryptowährungen?

Prof. Peter Kotauczek: Ich kam über theoretische Überlegungen zur Zahlentheorie und der Morphem-Forschung an das Thema Bitcoin. Ich war damals (ca. 2017) vom Wechselspiel zwischen Kryptografie und Steganografie fasziniert und fand die Gedanken des Satoshi Nakamoto höchst praxisrelevant. Allerdings war ich von Haus aus überzeugt, dass Bitcoin als Zahlungsmittel weniger interessant ist als in seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel. Ich sah Bitcoin immer als praxisgeeignetes, kulturunabhängiges Mess-System für Werte-Tausch.

Und was ist die Essenz von Bitcoin, die Sie im Folgenden dann nicht mehr losgelassen hat? Oder anders formuliert: Was begeistert bzw. interessiert Sie am Thema Kryptowährungen?

Die Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten – nicht nur als Währung, sondern vielmehr als Mittel zur Konsensfindung ohne Obrigkeiten mit monopolistischen oder oligarchischen Verhandlungsvorteilen bei gleichzeitig erhalten bleibenden Mindestfairness-Niveaus auf Basis mathematischer Axiome. Man könnte sagen: von „in God we trust“ über „in State we trust“ zu „in Math we trust“.

Was meinen Sie: Wie werden sich Kryptowährungen in den nächsten 10 Jahren entwickeln? Wie ist Ihre Zukunftsprognose?

Seit ich erfahren habe, dass mehrere Notenbanken auch schon das Interesse an Kryptowährungen entdeckt haben, sehe ich eine sich beschleunigende Entwicklung in Richtung Blockchain-Verrechnungssysteme in globalem Maßstab. Bitcoin wird dabei zum „Goldstandard“ – mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Die Token werden dabei eine besondere Bedeutung erlangen.

Sie sind mit der BEKO Holding GmbH & Co KG nun seit 2017 als Investor bei Coinfinity tätig. Wie kam die Zusammenarbeit mit Coinfinity eigentlich zustande?

In meiner Recherche-Arbeit stieß ich immer wieder auf Bitpanda und Coinfinity. Coinfinity war mir sympathischer. Max Tertinegg ist, so wie ich, ein von Überzeugung Getriebener. Auch er will‘s genauer wissen. Das verbindet uns.

Was war der entscheidende Faktor, der Sie davon überzeugt hat, dass Sie bei Coinfinity einsteigen möchten?

Die Person Max Tertinegg. Ich hatte das Gefühl, auch er wittert die Chance, an etwas wirklich Großem mitwirken zu können und gleichzeitig die Restriktionen, die der Standort Österreich mit sich bringt, gelassen realistisch zur Kenntnis zu nehmen. Auch der Umstand, dass ein erfahrener Kollege aus der Ingenieurbüro-Szene an Bord war, nämlich Matthias Roch, hat meine positive Entscheidung maßgeblich beeinflusst.

Ein sehr spannender Aspekt, der mir bei der Recherche um Ihre Person aufgefallen ist, ist Ihre beeindruckende Multidisziplinarität, insbesondere hinsichtlich Ihrer Innovationskraft und den von Ihnen durchgeführten Projekten. Wie muss man sich das als Außenstehender vorstellen: Wie entsteht eine Idee bei Ihnen? Haben Sie einen definierten Ideenfindungsprozess oder entstehen Ideen eher spontan?

Meine Welt-Betrachtung geht immer von den Fragen aus, die von der etablierten Szene der „renommierten Experten“ außen vor gelassen werden. Diese Fragen versuche ich durch eine „Tiefenbohrung“ besser auszuloten und zu verstehen, warum sie nicht diskutiert werden. Ich bin ein Feind der wissenschaftlichen Selbstzufriedenheit staatlich alimentierter Institutionen. Die mögen mich daher auch nicht.

Die Verbindung von Computer und Kunst ist schon länger Teil Ihres Schaffensbereichs. Dabei haben besonders die CALSI-Technik und das Projekt „Second Life“ mein Interesse geweckt. Die CALSI-Technik verbindet den Computer und die Malerei in dem Moment des Kreierens, womit der Fortschritt unmittelbar sichtbar wird. Könnte die CALSI-Technik als eine Art Vorläufer zu heutigen smarten Produkten, wie das iPad und den Apple Pencil, interpretiert werden?

Sie haben die richtige Spur, folgen ihr aber nicht weit genug. Es geht um die Grundfrage, ob kreative Phänomene immer nur Menschen zugerechnet werden können. Mein empirischer Beobachtungsstand weist auf eine Mensch-Maschine-Kreativität hin, wo nicht klar getrennt werden kann, von welcher der beiden Symbionten der kreative Akt stammt. Wenn meine Malmaschine ein Gemälde realisiert hat, wusste ich nachher nicht mehr, was auf „meinem Mist“ gewachsen war und was der Maschine (Computer + Ausgabegerät) zugerechnet werden müsste. Ich habe dieses Phänomen in meinen Veröffentlichungen „autokreative Transformation“ genannt. Übrigens sind solche autokreativen Transformationen bei geeigneter Beobachtungsgenauigkeit auch in der Krypto-Szene wahrnehmbar.

Eine künstlerische Symbiose aus Mensch und Maschine also. Können Sie uns ein Beispiel für eine autokreative Transformation in der Krypto-Szene nennen?

Ich würde das Attribut „künstlerisch“ durch „schöpferisch“ ersetzen. Dann wäre ein gutes Beispiel die Coinfinity-/Staatsdruckerei-Card-Wallet, die in meinen Händen auf „autokreative“ Weise zu einem spannenden Tool für verschiedenste Experimente mit Token wurde, auf die ich sonst gar nicht gekommen wäre. So wird der in der Blockchain verbuchte Satoshi-Betrag lediglich als Referenzwert für ganz andere „Werte“ verwendet, aber in einer „geeichten“ Form. So kann eine gewisse Satoshi-Zahl für ein konkretes Kunstwerk stehen, um das Eigentumsrecht in der Blockchain verbucht weitergebbar zu machen, ohne das Kunstwerk physisch zu bewegen.

Wie entstand die Idee zum Second Life, einer von Ihnen aufgebauten virtuellen Welt? Welche Überlegungen stecken dahinter?

Die Frage, ob es möglich sei, einen teilautonomen Avatar als wirtschaftlich handelndes Subjekt im Netz zu etablieren. Dazu kommt, ob solche virtuellen Personen auch einen „Staat“ bilden könnten bzw. welche rechtlichen und politischen Fragen sich daraus ergeben könnten. Das derzeit laufende Experiment „BEKO Island 2.0“ auf Facebook zeigt, was derzeit geht und was nicht. Dieser „Mikro-Staat“ hat nur einen einzigen Einwohner, den Avatar Beko Kurosawa, und die Landeswährung Bitcoin. Aber jedermann kann als Kurzzeit-Immigrant dort „leben“.

Meine letzte und von persönlichem Interesse geprägten Frage handelt von Ihrer symphonischen Dichtung „Dark Matter“, welche auf dem Internationalen Chopin Festival uraufgeführt wurde: Ich wohnte einige Zeit in Warschau und besuchte mit heller Begeisterung die Sonntagskonzerte von Chopin im Lazienki-Park. Gibt es eine besondere Verbindung von Ihnen zu Chopin bzw. wie kam das Projekt zustande?

Chopin war nach meiner Meinung der erste Mensch in der klassischen Musikgeschichte, der digital dachte. Deshalb war er ja offenbar so auf das Klavier fixiert. Ich lernte Chopin über das Kartause-Gaming-Festival kennen, das seit vielen Jahren im Sommer stattfindet. Über die Versuche der „Sonifikation der Jordankurve“ zusammen mit meinem Freund Prof. Kurt Schmid von der Wiener Musik-Uni und meiner Frau, der Dichterin Elisabeth Kotauczek, entstand die Idee der „Geometrisierung“ von Kunst. Ganz im Sinne Einsteins, der diese Idee ebenfalls bis zu seinem Tode verfolgte. Die kosmologische „dunkle Materie“ ist auch ein Ergebnis dieser Geometrisierung der Physik.

Vielen Dank für das interessante und sehr tiefgehende Interview. Im Namen von Coinfinity möchten wir uns für die Zusammenarbeit bei Ihnen herzlich bedanken!