Blogreihe #Geld: Monetäre Kontrollstrukturen und das Dilemma des virtuellen Geldes

In unserem zweiten Blogeintrag zum Thema #Geld gehen wir tiefer in die Thematik und schauen uns die verschiedenen Strukturen und Bedingungen an, die eine Geldeinheit erfüllen muss.

Ein Zahlungssystem besteht aus Regeln, welche bestimmen, wie Geld repräsentiert wird, wie es hergestellt wird und wie die Übertragung von Geldeinheiten durchgeführt wird. Klassische Zahlungssysteme teilen sich grundsätzlich in Bargeld und virtuelles Geld auf. Bargeld fungiert als Gedächtnis bei einem Handel zwischen zwei Menschen, die sich beispielsweise nicht kennen und deshalb nicht vertrauen und keinen Konsens darüber haben, wie eine Gefälligkeit aussehen würde, um wieder ein Gleichgewicht zwischen den beiden Individuen zu erzeugen (siehe letzter Blogeintrag). Nachteil des Bargeldes ist die räumliche Dimension – man muss sich für den Austausch begegnen. In Zeiten des Internets scheint dies nicht mehr zeitgemäß (auch bei größeren Transaktion ist Bargeld keine sinnvolle Option). Virtuelles Geld hat das Potenzial, das Problem der räumlichen Dimension zu lösen, sieht sich aber mit dem Double-Spending Problem und der Legitimität einer Transaktion konfrontiert.

Monetäre Kontrollstrukturen sind ein wesentlicher Teil einer Geldeinheit und bedingen die Legitimität dieser. Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Dimensionen: Erstens muss der Geldschöpfungsprozess mengenmäßig beschränkt sein, sodass die Geldeinheit eine gewisse Seltenheit aufweist. Die Seltenheit wird im Schöpfungsprozess erreicht, welcher entweder kompetitiv oder monopolisiert erfolgen kann. Bei einer kompetitiven Geldschöpfung spielen allen voran die Grenzkosten der Schöpfung eine wichtige Rolle. Zweitens die Repräsentation einer Geldeinheit. Hier wird zwischen der physischen und der virtuellen Form unterschieden. Zuletzt gibt es noch die Transaktionsabwicklung, welche sich in drei Unterpunkte unterteilt: Die (a) Transaktionsfähigkeit stellt sicher, dass Transaktionen initiiert und Werteinheiten übertragen werden können. Die (b) Transaktionslegitimität garantiert, dass Transaktionen ausschließlich durch den Eigentümer initiiert werden können. Der (c) Transaktionskonsens gewährleistet, dass zu jedem Zeitpunkt eine eindeutige und akzeptierte Guthabenverteilung zwischen den Teilnehmern existiert. Damit soll auch das Double-Spending verhindert werden.

Physische Geldeinheiten sind grundsätzlich dezentral und erfüllen bei der Übergabe einer Geldeinheit auf eine andere Person alle Transaktionsbedingungen, da der Wert an das physische Objekt gekoppelt ist. Virtuelle Geldeinheiten mit all ihren praktikablen Vorteilen verhalten sich diesbezüglich wesentlich komplexer – sie benötigen ein Register, um die Transaktionsbedingungen erfüllen zu können. In diesem Register werden die notwendigen Informationen gespeichert sowie verwaltet. Interessant ist hier besonders die Frage nach der Funktionsfähigkeit und der Verwaltung des Registers.

Beim Euro und allen anderen geläufigen Fiatwährungen basieren die Register auf einem zentralen Transaktionsabwicklungssystem, in dem ein vordefinierter Personenkreis exklusiv mit Buchungsrechten ausgestattet ist. Diese zentrale Instanz sind die Noten- und Privatbanken, welche Transaktionsfähigkeit, -legitimität und -konsens exklusiv und zentral kontrollieren.

Die Existenz einer zentralen Transaktionsinstanz birgt zum einen ein erhebliches Missbrauchsrisiko und zum anderen eine radikale Abhängigkeit. Besonders im Kontext der Weltwirtschaftskrise 2008–2009 wurde der Satz „Too big to fail in den Medien und der Politik kontrovers diskutiert. Hintergrund dazu ist, dass die systemrelevante Position von einigen Banken in unserem jetzigen Geldsystem finanziell geschützt werden musste, um weitere Domino-Effekte im Hinblick auf die Wirtschaft zu vermeiden. Zusätzlich birgt ein zentrales System ein höheres Risiko, von kriminellen Akteuren angegriffen zu werden. Ferner ergibt sich auch die simple philosophische Frage: Inwieweit kann man von individuellem Eigentum sprechen, wenn die entsprechende Werteinheit erst durch die Zustimmung der Banken nutzbar wird bzw. de facto erst durch deren Akzeptanz einen Wert bekommt?

Das Dilemma aus den Vorteilen einer virtuellen Währung und den Nachteilen eines zentralen Registers, so schreiben Aleksander Berentsen von der Universität St. Louis und Fabian Schär von der Universität Basel, aufzulösen, galt bis 2008 als unerreichbar bzw. unmöglich.

In unserem nächsten Blogeintrag werden wir zeigen, wie es Bitcoin geschafft hat, diesem Dilemma einen Lösungsansatz entgegenzusetzen.