Blockchain und Wahlen – Ein Überblick

Auch heuer stehen mit der Wien-Wahl auf nationaler Ebene und der US-Präsidentschaftswahl auf internationaler Ebene noch zwei große Wahlereignisse an. Vor allem in den USA gibt es Kontroversen bezüglich der Sicherheit von Briefwahlen, welche von den Republikanern angezweifelt wird. Eine Alternative zur Briefwahl können auch blockchainbasierte Wahlen darstellen. Welche Möglichkeiten es hier bereits gibt und was in Zukunft zu erwarten ist, möchten wir uns im heutigen Artikel ansehen.


Bereits im Februar 2020 hat die US-Post ein Patent für ein blockchainbasiertes Wahlsystem eingereicht und den Antrag im Zuge der Diskussionen am 13. August 2020 veröffentlicht. Die Komponenten dieses neuartigen Abstimmungssystems werden auf insgesamt 47 Seiten beschrieben. WählerInnen sollen vor einer Wahl einen entsprechenden Code per Post erhalten, welchen der/die WählerIn gemeinsam mit einer 2-Faktor-Authentifizierung dazu nutzt, um sich zu verifizieren. Beim Wählen werden dann Stimmabgabe sowie Wählerinformation wieder getrennt, sodass anonym abgestimmt werden kann. Laut USPS (United States Postal Service, Anm.) soll die neue Methode deutlich sicherer als die bisherige Briefwahl sein und Manipulationen komplett ausschließen. Ob die Technologie bereits bei der Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 eingesetzt wird, ist jedoch fraglich, da die Vorbereitung und Schaffung einer rechtlichen Grundlage in dieser Zeit wohl nicht mehr umsetzbar sind.


Auch im August 2018 testete die japanische Stadt Tsukuba bereits auf kommunaler Ebene erfolgreich ein Blockchain-System zur Abstimmung über Sozialprogramme der Stadt. WählerInnen konnte über ihre My Number Card teilnehmen, eine 12-stellige ID-Nummer, welche 2015 an alle BürgerInnen Japans ausgegeben wurde und mit dem österreichischen System der Handysignatur/Bürgerkarte verglichen werden kann.
Im selben Jahr wurde auch im US-Bundesstaat West Virginia ein blockchainbasiertes Wahlsystem namens Voatz bei den Midterm-Wahlen getestet, um im Ausland stationierten SoldatInnen und anderen zur Fernwahl berechtigten BürgerInnen die Teilnahme zu ermöglichen.


Ein weiteres praxiserprobtes System bietet das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky mit seinem Projekt Polys. Hier müssen sich NutzerInnen zuerst mit persönlichen Dokumenten identifizieren, um einen persönlichen Zugangscode zur Abstimmung zu erhalten. Vorteile, die die Blockchain-Technologie hier ins Spiel bringt: Durch diesen Code kann nach der Stimmabgabe verifiziert werden, ob die Stimme über den Zugangscode tatsächlich abgegeben und berücksichtigt wurde. Außerdem wird dadurch sichergestellt, dass jede Stimme nur einmal abgegeben wurde. Ein weiterer Vorteil: Durch Kryptographie ist trotzdem eine nachweisbare Anonymisierung der WählerInnen bei gleichzeitiger Verifikation einer gültigen Stimmabgabe möglich. Polys hat das System bereits im russischen Wolgograd erfolgreich getestet, wo rund 80.000 Menschen mit dessen Hilfe über öffentliche Ausgaben abstimmten.


Wie man sieht, gibt es in vielen Ländern weltweit bereits Bestrebungen zu blockchainbasierten Wahlen – jedoch bisher hauptsächlich auf kommunaler und regionaler Ebene. Zu den großen Vorteilen einer blockchainbasierten Wahl zählen ganz klar die Fälschungssicherheit und Nachvollziehbarkeit der abgegebenen Stimmen bei gleichzeitiger Anonymität der WählerInnen. Wir sind gespannt, wann diese Systeme vermehrt auf nationaler und internationaler Ebene Verwendung finden werden.