Was ist Geld? Teil 1 - Funktionen und Geschichte des Geldes

Um verstehen zu können, was Bitcoin ist und weshalb es so ist, wie es ist, muss man zuerst verstehen, was Geld ist und was solides Geld ausmacht. In diesem ersten Teil der Blogserie "Was ist Geld?" sehen wir uns die Funktionen und Geschichte des Geldes an.

Disclaimer: Der folgende Beitrag stellt keine exakte wissenschaftliche Arbeit dar und ist geprägt von einer persönlichen Meinung. Geldtheorie ist keine absolute Wissenschaft wie beispielsweise die Mathematik. Vielmehr besteht sie aus verschiedenen Ansichten, dieser Beitrag repräsentiert eine Ansicht.

Was ist eigentlich Geld und was macht solides Geld aus? 

Um verstehen zu können was Bitcoin ist und weshalb es so ist, wie es ist, muss man zuerst verstehen was Geld ist und was solides Geld ausmacht.

Geld ist ein Tauschmittel, etwas das viele akzeptieren und auf das sich jeder verlassen kann.

In einer modernen Wirtschaft mit einer großen Arbeitsteilung ist es nicht möglich Güter direkt zu tauschen. Jedes Individuum ist so spezialisiert auf ein Themengebiet, sodass es sehr schwer sein würde für jedes Gut, welches man benötigt eine:n passende:n Tauschpartner:in zu finden. Deshalb benötigt man etwas, auf das sich alle Menschen einigen, um Güter und Dienstleistungen auszutauschen. Geld.

Funktionen des Geldes

Geld hat drei wichtige Funktionen.

  • Zahlungsmittel
  • Wertaufbewahrung
  • Recheneinheit

 

Zahlungsmittel:

Geld wird verwendet, um Zahlungen vorzunehmen. Es wird verwendet, um Güter und Dienstleistungen zu bezahlen. Hierbei spielt Akzeptanz eine wichtige Rolle. Wenn nicht genügend Individuen das gleiche Geld akzeptieren, kann man es nur beschränkt verwenden.

Wertaufbewahrung:

Das Geld muss einen Wert haben, damit man zeitversetzt Transaktionen tätigen kann, ohne fürchten zu müssen, dass der Wert verfällt. Langfristiges Sparen muss somit möglich sein, um die Freiheit zu haben, sich in Ruhe Gedanken über Transaktionen zu machen. Der Wert des Geldes ist stark an seine Menge gekoppelt. Gibt es mehr davon, ist mein Teil ein kleinerer vom Ganzen und somit weniger Wert. Der Wert des Geldes leitet sich vom Netzwerk der Verwender:innen ab.

Recheneinheit:

Güter und Dienstleistungen lassen sich ausdrücken. Geld ist somit eine allgemeine Bezugsgröße, um etwas zu bemessen.

Geschichte des Geldes

In der Geschichte der Menschheit gab es bereits viele verschiedene Arten von Geld. Mit der Modernisierung und einer einhergehenden Komplexität der Wirtschaft wurde es immer unmöglicher Tauschhandel zu betreiben. Deshalb brauchte man etwas, was nur Geld war und sonst keine weitere Funktion hatte.

History of Money

Warengeld:

Die erste Art des Geldes war Warengeld. Dies waren beispielsweise Schneckengehäuse, Muscheln, Salz, Felle oder Steine. Auf den Yap-Inseln verwendete man riesige Steine. Sie standen mitten im Dorf und waren sehr selten auf der Insel. Der:Die Besitzer:in des Steines verkündete allen, dass dies sein:ihr Stein ist und falls sich der Besitz änderte, wurde das ebenso verkündet.

So entstand ein Konsens in der Gemeinde und dies schützte vor Diebstahl, da jeder wusste wem dieser Stein gehört. Um solides Geld zu sein war es also wichtig, dass das Geld selten und somit begrenzt war, es einen Wert hat, lange gelagert werden konnte und von allen akzeptiert wurde.

Metallgeld:

Die nächste Form des Geldes war Metallgeld. Dieses Geld bestand aus Gold, Silber oder Bronze und wurde von zentralen Institutionen ausgegeben. Jene Metalle hatten den Vorteil, dass sie knapp und somit wertvoll, haltbar und relativ leicht teilbar waren. Zu Beginn waren die Münzen fast zu 100% aus Gold oder Silber. Mit der Zeit jedoch wurde die Verlockung für die Institutionen immer größer, mehr Geld zu schaffen, sodass sie die Reinheit des Geldes herabsenkten. Die Münzen bestanden dann nicht mehr zu 100% aus dem wertvollen Gold, sondern jener Anteil wurde immer geringer, bis das Geld komplett verfiel.

Dies war das erste Auftreten von staatlicher Inflation in der Geschichte. Bereits damals wurde also Geld von Regierungen manipuliert, um beispielsweise Kriege zu finanzieren.

Papiergeld:

Das erste Papiergeld kam aus China und hatte keinen Wert auf Grund des Rohstoffes. Papier war sehr billig und weit verbreitet. Somit kam der Wert dieses Geldes ausschließlich durch den Kaiser zustande, welcher mit seiner Macht den Wert absicherte. Jene Macht wurde im Notfall mit Gewalt durchgesetzt. Auch im europäischen Mittelalter kam im Laufe der Zeit Papiergeld (nicht staatliches) auf. Jenes Papier war ein Wechselbrief, was nichts anderes als ein Vertrag ist und besagt, dass man jenes Papier in Gold oder Silber eintauschen kann. Man musste jetzt nicht mehr das schwere Gold mit sich schleppen, sondern konnte einfach diese Wechselbriefe austauschen.

Ein Nachteil hierbei ist das Vertrauen, welches benötigt wird. Man muss vertrauen, dass der Wechselbrief echt ist, dass die Ausgabestelle mir auch mein Gold gibt und dass sie auch genug Gold auf Lager hat und nicht mehr Wechselbriefe ausgegeben hat, als sie bedienen kann.

Banknoten:

Staatliches Papiergeld (wie in China) konnte sich in der Vergangenheit in Europa nie dauerhaft durchsetzen, da es keinen wahren Wert hatte und nur durch die Macht des Staates abgesichert wurde. Der Wert belief sich nur auf die Glaubwürdigkeit des Staates. Deshalb kamen Banknoten von Privatbanken ins Spiel. Jene Banknoten konnte man ähnlich wie Wechselbriefe im Mittelalter in Gold oder Silber eintauschen und haben damit auch die gleichen Nachteile. Aus jenen Privatbanken entstanden Notenbanken und diese gaben Banknoten basierend auf jenem Prinzip aus.

In der Geschichte gab es mehrere Phasen, in denen Geld durch Gold gedeckt wurde. Die wichtigsten sind der Goldstandard bis 1933, was mit Ende dieses Standards ein Verbot von privaten Goldbesitz in den USA mit sich brachte und das Bretton-Woods-System (1944-1973) welches 1973 endgültig endete aber bereits 1971 die Bindung von Gold an den US-Dollar kippte.

Buchgeld:

Heutzutage ist diese Form des Geldes die am meisten verbreitete Form. Sie hat keine physische Komponente und besteht nur digital in den Kontobüchern der Banken, welche nicht von der Öffentlichkeit eingesehen werden können. Dieses Geld kann von Banken beliebig geschaffen werden in dem sie Kredite vergibt und somit einfach neues Geld in den Kontobüchern einträgt. Der Wert jenes Geldes basiert rein auf Vertrauen zu den Banken und zum Staat, welcher in Bankenkrisen jene Banken rettet auf Kosten der Allgemeinheit, da der Wert des Geldes sich dramatisch verringert und schließlich die Bevölkerung dies bezahlt ohne gefragt zu werden.

Bitcoin:

Bitcoin ist eine neue Form des Geldes. Sie ist dezentral, besitzt eine physische Komponente und ist beschränkt. Kein Staat, kein:e Milliardär:in und kein Unternehmen kann Bitcoin verändern.

Layers of Money
(FEW UNDERSTAND THIS_ A Visual Guide To Bitcoin's Rise by Anil v2.pdf, Seite 20)

Im zweiten Teil dieser Blogserie, welcher nächste Woche erscheint, werden wir uns die Eigenschaften des Geldes, Geldpolitik und das Phänomen Inflation genauer ansehen.

Weiterführende Literatur:
Guido Hülsmann - Ethik der Geldproduktion
Niall Ferguson - der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte
Rüdiger Rauls - Wie funktioniert Geld?

Links:
Der Bitcoin-Standard | Aprycot Media

Layered Money | Aprycot Media

Der Preis der Zukunft | Aprycot Media

Der Fiat-Standard
       
WTF Happened In 1971?