Blogreihe #Geld: Das Dilemma des virtuellen Geldes und was Bitcoin leisten kann

Das Dilemma des virtuellen Geldes

Nachdem wir uns in den vorherigen Blogeinträgen dem Konstrukt Geld sukzessive angenähert haben, möchten wir nun die Möglichkeiten und Potenziale von Bitcoin aufzeigen. Zusätzlich beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Bitcoin die drei Transaktionsbedingungen einer Geldeinheit gewährleistet.

Bitcoin ist ein komplexes Konzept, das verschiedene Kontrollstrukturen neu miteinander verknüpft. So werden Werteinheiten kompetitiv geschöpft, virtuell dargestellt und (!) dezentral abgewickelt. Dadurch basiert Bitcoin auf einer neuen Kombination der Kontrollstrukturen. Bisher war es nicht möglich, eine kompetitiv geschöpfte und virtuell dargestellte Währung dezentral aufzubauen – ein Novum in der Geschichte des Geldes.

Das wirklich Besondere an dieser Kombination ist also, dass sie die Vorteile einer virtuellen Geldeinheit mit der systemischen Unabhängigkeit der dezentralen Transaktionsabwicklung verbindet. Somit werden die Vorteile des physischen Bargeldes mit denen des virtuellen Geldes vereint und das Dilemma des virtuellen Geldes aufgelöst.

Die eigentliche Innovation von Bitcoin liegt deshalb im Verzicht auf zentrale Instanzen. Dieser Verzicht führt zum einen dazu, dass systemische Abhängigkeiten und das Missbrauchsrisiko verringert werden. Auf der anderen Seite führt die Abwesenheit einer zentralen Kontrollinstanz zum Fehlen der Prüfung von Transaktionsfähigkeit, -legitimität und -konsens. Ohne eine solche Instanz muss die Erfüllung der drei Transaktionsbedingungen (Transaktionsfähigkeit, Transaktionslegitimität, Transaktionskonsens) auf alternativen Wegen gewährleistet werden. Bei Bitcoin wird dies durch die Blockchain-Technologie sichergestellt.

Das Bitcoin-Netzwerk umfasst alle Teilnehmer und deren Verbindungen und dient primär als Kommunikationsweg für Informationsaustausch und die Konsensfindung. Damit bildet das Bitcoin-Netzwerk das Fundament des Systems und basiert auf der Peer-to-peer Technologie. Bei dieser Technologie sind alle Netzwerkteilnehmer gleichgestellt – es gibt keine Sonderrechte. Wenn ein Teilnehmer des Netzwerks eine Bitcoin-Transaktion durchführen möchte, muss eine Transaktionsnachricht nach den Vorgaben des Bitcoin-Protokolls erstellt und an einen beliebigen Netzwerkteilnehmer versendet werden. Der Empfänger der Transaktionsnachricht leitet die Nachricht an weitere Teilnehmer weiter. Die Weiterleitung wird so lange durchgeführt, bis keine neuen Netzwerkteilnehmer mehr erreicht werden können. Ergo spielt es keine Rolle, an wen die Transaktionsnachricht gesendet wird, es besteht keine Abhängigkeit von bestimmten Teilnehmern. Durch dieses Prinzip ist die Transaktionsfähigkeit des Systems immer sichergestellt.

Erhält ein Netzwerkteilnehmer eine Transaktionsnachricht, muss er sicherstellen, dass die Transaktion von dem tatsächlichen Eigentümer initiiert wurde. Hierfür bedient sich Bitcoin gängigen kryptografischen Verfahren. Der Eigentümer des Guthabens ist in exklusivem Besitz eines Schlüssels, mit dem die Transaktionsnachricht vor dem Versand signiert wird. Mit Hilfe eines öffentlichen Schlüssels, der für jeden Netzwerkteilnehmer einsehbar ist, kann die Nachricht wieder verifiziert werden. Somit geht es hierbei nicht um Verschlüsselung der Nachricht, sondern um die Verifizierung des Inhaltes bzw. der Transaktion an sich. Die Überprüfung der Nachricht funktioniert nur dann, wenn die Nachricht tatsächlich mit dem privaten Schlüssel des Initiators signiert wurde. Gelingt die Verifikation der Nachricht, weiß der Empfänger der Transaktionsnachricht, dass die Transaktion legitim ist. Damit stellt das Bitcoin-Netzwerk die Transaktionslegitimität sicher.

Die letzte Transaktionsbedingung ist der Transaktionskonsens. Aufgrund des Fehlens einer zentralen Instanz kann es zu dem Szenario kommen, dass ein Netzwerkteilnehmer zwei Transaktionsnachrichten über dasselbe Guthaben zum selben Zeitpunkt versendet – das sogenannte Double-Spending. In einem zentralen System wird meistens die Transaktion durchgeführt, die zuerst im Register ankommt. Bitcoin verzichtet aber explizit auf so eine Instanz. Für das System ist es irrelevant, welche Transaktionsnachricht präferiert wird, es darf nur nicht dazu kommen, dass beide Transaktionen durchgeführt werden. Um das Problem zu lösen, erstellen Netzwerkteilnehmer sogenannte Blöcke. Blöcke sind Informationspakete, die mindestens eine Transaktion umfassen. Zum Erstellen solcher Blöcke wird Rechenleistung benötigt, das sogenannte Bitcoin Mining. Ein Miner kann beliebige legitime Transaktionen aus seiner Warteschlange zur Erstellung eines neuen Blocks verwenden. Die Transaktionen dürfen nur nicht in Konkurrenz zu vorherigen Blöcken stehen. Falls ein Miner das missachtet, wird sein Block vom Rest des Netzwerks abgelehnt. Ein Block muss deshalb auch Informationen zum Status quo beinhalten, also einen Verweis auf den vorherigen Registerzustand, an welchen der Block anknüpft. Dies erfolgt durch die Referenzierung eines vorhergegangenen Blocks, wodurch eine chronologische Kette von Blöcken entsteht: die Blockchain. Als Konsens betrachten die Netzwerkteilnehmer immer jene Version der Kette als den aktuellen Zustand des Registers, welche (a) ausschließlich legitime Transaktionen beinhaltet und (b) die längste bekannte Kette des Systems darstellt.