Blogreihe #Geld: Wie entsteht und funktioniert eine Geldeinheit?

In unserem ersten Blogeintrag zum Thema #Geld erörtern wir die theoretischen Grundlagen von Geldeinheiten und versuchen, historische sowie grundlegende monetär-theoretische Aspekte in unsere kurze Betrachtung einfließen zu lassen.

Die klassische Theorie von Karl Menger aus dem Jahre 1892 beschreibt die Entstehung von Geld als einen Prozess, bei dem ein gewisses Gut mit einer hohen Marktpräsenz automatisch zum dominanten Tauschmittel wird. Die Akzeptanz eines Tauschmittels benötigt nach Menger keine exekutive oder legislative Grundlage, sondern kristallisiert sich aus gesellschaftlichen Prozessen und einer impliziten, bereits bestehenden Nachfrage nach dem Gut heraus. Diese Nachfrage ergibt sich entweder aus einem existenziellen Grund (Nahrungsmittel) oder einem zeremoniellen Hintergrund (Schmuckstück). Für frühere Geldsysteme trifft dies durchaus zu: Steine, Nutztiere und Muscheln wurden in verschiedenen Kulturen als Zahlungsmittel verwendet. Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben sich daraus unterschiedliche Systeme entwickelt, die durch verschiedene Attribute gekennzeichnet waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bretton-Woods-System international etabliert, bei dem Währungen an Goldbestände gekoppelt waren. In den 1970er Jahren wurden im Zuge einer weitreichenden Liberalisierung Gold und Geld sukzessive entkoppelt – das Ende des Goldstandards. Seither besitzen Zentralbanken die Entscheidungskompetenz, wie viel Geld generiert werden darf/soll. Das sogenannte Fiatgeld.

In der modernen Geldtheorie wird Geld als Gedächtnis interpretiert. Der Ursprung dieser Definition liegt in der Beobachtung menschlichen Miteinanders. Speziell in der Beobachtung von sogenannten zwischenmenschlichen Gefälligkeiten, die man sich in der Familie, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft macht, für die man im Moment der Gefälligkeit aber keine Gegenleistung bekommt. Beispielsweise kann eine Einladung zu einem Mittagessen als so eine Gefälligkeit beschrieben werden. Das Charakteristische an diesen Gefälligkeiten ist, dass alle Beteiligten ihre eigene Buchhaltung der aktuellen Gefälligkeiten unterbewusst führen. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, wird dies unmittelbar zu Streitigkeiten führen: Kümmert sich immer nur eine Person um eine bestimmte Aufgabe, sagen wir den Haushalt, und die andere Person gibt nichts entsprechendes zurück, wird es in der Beziehung zwischen diesen beiden Individuen zu Unstimmigkeiten kommen.

Damit ein solches Gift-Giving-System funktioniert, braucht es einen Konsensmechanismus. In der Regel erfolgt die Einigung indem miteinander gesprochen wird und etwaige Unstimmigkeiten verbal beseitigt werden. Kann kein Konsens hergestellt werden, droht der Ausschluss aus der Beziehung bzw. das Ende des Systems. In der Praxis funktioniert so ein System besonders gut in Personengruppen, die sich gut kennen und überschaubar sind. Grund dafür ist, dass umso größer die Gruppe ist, es umso schwieriger ist, einen Konsens herzustellen. Das Gift-Giving-System hat nämlich ein Problem: Die Skalierbarkeit.

In größeren Gruppen von Menschen, beispielsweise Nationalstaaten, wird das Gift-Giving-System durch den Austausch von Geld ersetzt. Geld übernimmt in komplexen Gesellschaften die Rolle des Gedächtnisses. Geld führt Buch über den globalen Austausch von Gefälligkeiten. Geld ist Gedächtnis.

Die primären Funktionen einer Geldeinheit lassen sich unter den Begriffen Tauschmittel, Recheneinheit und Wertspeicher zusammenfassen. Hauptsächlich wird eine Geldeinheit als Tauschmittel bzw. Zahlungsmittel verwendet. Um die drei Grundfunktionen erfüllen zu können, muss eine Geldeinheit folgende Eigenschaften besitzen: Haltbarkeit, Transferierbarkeit, Teilbarkeit, Homogenität, Verifizierbarkeit, Wertstabilität und Seltenheit.

Eine Geldeinheit hat einen spezifischen Gegenwert, welcher in den einzelnen Funktionen als Orientierung fungiert. Dieser monetäre Marktwert einer Geldeinheit definiert sich aus dem Fundamentalwert, dem (zukünftigen) Zahlungsversprechen sowie der Liquiditäts- und Spekulationsprämie. Der Fundamentalwert umfasst den stofflichen Eigenwert des Objekts. Er definiert sich über den Nutzen des Objekts, welcher aus dem Konsum oder dem Besitz resultiert. Zahlungsversprechen sind Wertkomponenten, die nicht stofflich an die Geldeinheit gebunden sind. Der Wertbestandteil unterliegt einem gewissen Risiko. Kann oder will die garantierende Instanz eine Verbindlichkeit nicht erfüllen, entfällt der Wert vollständig. Liquiditäts- und Spekulationsprämien werden oft mit dem Begriff Blase beschrieben. Die Liquiditätsprämie ergibt sich aus der Option auf einen flexiblen Tausch der Geldeinheit in beliebige Güter oder Dienstleistungen. Die Spekulationsprämie resultiert aus der Option, einen Gewinn bei einem Wertanstieg zu generieren.  

Daraus ergeben sich drei idealtypische Arten von Geld: erstens das Warengeld, welches sich durch einen stofflichen Fundamentalwert definiert und zusätzlich eine Liquiditäts- und Spekulationsprämie aufweisen kann. Der Marktwert wird aber nie unter dem Fundamentalwert liegen, da – wenn jenes Gut seine Stellung als Geldeinheit verliert – es dennoch als Ware weiterbestehen kann. Zweitens das Kreditgeld, welches hauptsächlich ein Zahlungsversprechen ist und daher keinen Fundamentalwert besitzt. Drittens das Fiatgeld, welches weder einen Fundamentalwert noch ein Zahlungsversprechen beinhaltet und somit gewissermaßen aus dem Nichts entsteht. Sein Marktwert wird lediglich durch die Liquiditäts- und Spekulationsprämie definiert. Die heutzutage geläufigen Währungen wie der Euro und der US-Dollar zählen zu dieser Kategorie.

In unserem nächsten Beitrag werden wir uns den notwendigen monetären Kontrollstrukturen und den dazugehörigen Transaktionsbedingungen einer Geldeinheit widmen.