Deutsche Bank Research: Kryptowährungen könnten bis 2030 die etablierten FIAT-Währungen ersetzen

Die Deutsche Bank hat ihre Zukunftsstudie „Imagine 2030“ veröffentlicht, in der unter anderem das Thema Kryptowährungen behandelt wird. Die Analysten glauben, dass Kryptowährungen Bargeld bis 2030 ersetzen können.

Der Bericht (hier downloaden) beschreibt zunächst die Ereignisse der vergangenen beiden Jahre in der Kryptowelt, um dann als Beispiel für großflächige Akzeptanz auf das Szenario einzugehen, dass eines der sogenannten GAFA-Unternehmen (Google, Apple, Facebook, Amazon) oder deren chinesisches Äquivalent BATX (Baidu, Alibaba, Tencent und Xiaomi) eine eigene Kryptowährung lanciert. Durch Libra ist ja bereits bekannt, dass Facebook in Kooperation mit weiteren namhaften Unternehmen wie Vodafone, Spotify und Uber aktiv an einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Auch der Trend, dass Staaten sich tendenziell weg von Bargeld hin zu elektronischen Zahlungen entwickeln, kann laut den Experten den Trend zu Kryptowährungen weiter befeuern.

Der Ansicht der Analysten zufolge wird besonders die Entwicklung des Währungssystems in den zwei bevölkerungsreichsten Staaten, China und Indien, wegweisend für die Zukunft von Kryptowährungen sein. Derzeit ist der Kauf und Verkauf von Kryptowährungen in beiden Ländern verboten, auch wenn die Analysten hier starke Entwicklungen sehen: Erst im Oktober letzten Jahres bezeichnete Chinas Präsident Xi Jinping die Blockchain-Technologie als „wichtigen Durchbruch für die unabhängige Entwicklung von Kerntechnologien“. Er betonte außerdem die Intention der chinesischen Zentralbank, Bargeld durch eine eigene staatliche Kryptowährung zu ersetzen, um somit die Internationalisierung des Yuan voranzutreiben. Auch in Indien stellte ein Wirtschaftspanel der Regierung die Möglichkeit einer eigenen digitalen Währung, die von der Reserve Bank of India reguliert wird, vor.

Als nächstes beschreiben die Analysten den Trend zur bargeldlosen Bezahlung auch bei kleineren Beträgen. Während im 20. Jahrhundert die meisten Unternehmen bei Zahlungen in geringerem Ausmaß noch Bargeld präferierten, sieht dies heute komplett anders aus. Elektronische Zahlungen werden von Unternehmen den Analysten zufolge mittlerweile sogar bevorzugt, da der Verwaltungsaufwand und das potenzielle Diebstahlrisiko dadurch minimiert werden. Diese Vorteile würden für viele Unternehmen den Nachteil hoher Gebühren überwiegen, so die Analysten. Der nächste logische Schritt wäre eine digitale Bargeldalternative, welche die aktuellen Gebühren für Kartenzahlungen eliminiert oder zumindest senkt.

Laut einer Umfrage von dbDig bevorzugen fast zwei Drittel der KonsumentInnen elektronische Zahlungen und ein Drittel macht sich Sorgen um den Verlust von Anonymität – also die beiden Dinge, die Kryptowährungen am besten lösen können.

Für die Zukunft von Kryptowährungen sehen die Analysten drei noch zu überwindende Hürden, damit diese eine breite Anwendung finden: Zuerst müssten Kryptowährungen in den Augen von Staaten und Regulierungsbehörden als legitim gelten. Das bedeute vor allem, dass Kryptowährungen Preisstabilität und Vorteile für Unternehmen und KonsumentInnen bringen müssten. Eine weitere Herausforderung sei die Tatsache, dass ein robustes Finanzsystem auf elektrischer bzw. elektronischer Basis aufgebaut werden müsste. Es müsste zudem in der Lage sein, Stromausfälle und Cyberattacken zu überstehen. Auch mögliche Naturkatastrophen und die Klimaerwärmung müssten hier als Faktoren in Betracht gezogen werden, beispielsweise wurde im kanadischen Quebec durch einen Sonnensturm ein neunstündiger totaler Stromausfall verursacht.

Mit Blick auf das kommende Jahrzehnt wäre es für die Analysten nicht überraschend, wenn unerwartet eine neue „Mainstream-Kryptowährung“ entstehen würde. Manche Länder mit starkem Bankensektor experimentieren bereits mit eigenen Kryptowährungen. Die Frage ist für sie, welches Land als erstes die Vorteile nutzen, Lizenzen erhalten und Allianzen bauen werde. Sobald das passiere, könne die Linie zwischen Kryptowährungen, Finanzinstitutionen und dem öffentlichen und privaten Sektor immer mehr verschwimmen.