10 Jahre Bitcoin: von der Lightning Torch über Libra zum US-Kongress – der Jahresrückblick 2019

Auch das Jubiläumsjahr mit dem 10. Geburtstag von Bitcoin am 3. Jänner 2019 war wieder voller spannender Ereignisse und Überraschungen. Die wichtigsten möchten wir in unserem Jahresrückblick Revue passieren lassen.

Ethereum 2.0

Schon im Januar 2019 wurde bekannt, dass der Proof-of-Work-Algorithmus durch ProgPow, eine ASIC-resistente Version, ersetzt werden sollte. Es scheiterte jedoch zuerst an einem Audit. Am 16. Januar sollte dann die Constantinople Hard Fork kommen – aufgrund von potenziellen Sicherheitslücken, die kurz zuvor entdeckt wurden, wurde diese jedoch abgesagt. Mit dem Update hätten potenzielle Sicherheitslücken in Smart Contracts Einzug gehalten. Am 1. März war es dann doch so weit: Constantinople wurde gleichzeitig mit dem St.-Petersburg-Update erfolgreich implementiert. Constantinople steht unter anderem für das „Thirdening“, bei dem die Belohnung für Miner pro Block von 3 Ether auf 2 Ether gesenkt wurde, um so die Inflation zu senken, und für eine Verschiebung der Difficulty Bomb. Die Difficulty Bomb soll später beim langfristig geplanten Umstieg von Proof-of-Work- auf Proof-of-Stake-Mining als Anreiz für die Miner dienenWährenddessen dient St. Petersburg dazu, Ethereum-Testnetzwerke, die bereits im Jänner auf Constantinople und dessen potenzielle Sicherheitslücken umgestiegen sind, auf den gleichen „Stand“ zu bringen und die Änderungen von damals rückgängig zu machen.

Während sich 2019 viele Unternehmen wie JPMorgan Chase, Louis Vuitton und der isländische Ableger des Möbelgiganten IKEA mit Ethereum-basierten Blockchain-Lösungen beschäftigten, wurde mit 7. Dezember das große Istanbul-Update durchgeführt. Bei diesem Update wurden mehrere EIPs implementiert (EIP = „Ethereum Improvement Proposal“, also Verbesserungsvorschläge für das Ethereum-Netzwerk). Diese bedeuten hier unter anderem niedrigere Kosten für einzelne Funktionen von Smart Contracts und sollen die Ethereum Virtual Machine (EVM) kompatibel mit Equihash-basierten Netzwerken machen.

Für das kommende Jahr planen die Ethereum-Entwickler die erste Phase des Serenity-Updates, das den Weg zu Ethereum 2.0 ebnen soll.

Institutionelle Investoren und Bakkt Futures

Vor allem Fidelity, der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, sorgte bereits im Dezember 2018 mit der Gründung von Fidelity Digital Assets für Aufsehen. Dieser Trading Desk soll institutionellen Anlegern wie Hedgefonds die Möglichkeit bieten, in großem Stil mit Bitcoin zu handeln.

Eine weitere interessante Nachricht war der Launch der Bakkt Bitcoin Futures am 23. September. Durch diesen können Trader Bitcoin-Terminkontrakte an der New York Stock Exchange, der größten Börse der Welt, handeln.

Facebook Libra

Nachdem sich in den Monaten zuvor die Gerüchte über eine eigene Kryptowährung aus dem Hause Facebook bereits verdichtet hatten, veröffentlichte der Konzern am 18. Juni das Libra-Whitepaper. Darin wurde die Idee einer eigenen Kryptowährung in Zusammenarbeit mit anderen Großunternehmen wie Visa, Mastercard, PayPal, Spotify und Uber vorgestellt. Was uns auch direkt zum nächsten Punkt bringt:

US-Kongress und Donald Trump beschäftigen sich mit Kryptowährungen

Während sich der US-Kongress auf eine Debatte zu Libra vorbereitet, sorgt US-Präsident Donald Trump mit einem Tweet am 12. Juli für Aufsehen: https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1149472282584072192

Darin gab er an, kein „Fan“ von Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu sein, schließlich basierten diese nur auf „dünner Luft“ und in den USA existiere mit dem US-Dollar bereits eine „echte“, weltweit relevante Währung.

Am 17. Juli lud der US-Kongress am Libra-Projekt beteiligte Personen zu einer Anhörung, in dem vor allem die Pläne einer von privaten Unternehmen kontrollierten Währung von den Parlamentariern mit Argwohn betrachtet wurden, während die Einstellung gegenüber der öffentlichen Bitcoin-Blockchain unter anderem mit dem Hinweis, dass das Netzwerk bereits seit 10 Jahren in Betrieb sei und der Open-Source-Code bisher jeden Härtetest bestanden habe, erstaunlich differenziert war.

China priorisiert Blockchain-Entwicklung

Am 25.10. folgte dann der nächste große Knall: Chinas Staatspräsident Xi Jinping betont in einer Rede, dass China die Blockchain-Technologie als hochrelevant erachte, die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie ergreifen müsse und sich zukünftig als führendes Land in der Forschung positionieren wolle.

Am 28.10. wurde die Euphorie seitens der Kommunistischen Partei Chinas gebremst: In einem veröffentlichten Kommentar hieß es, der Aufstieg der Blockchain-Technologie habe den der Kryptowährungen begleitet, aber Innovation in der Blockchain-Technologie bedeute nicht, dass man mit virtuellen Währungen spekulieren solle und dass die in China geltenden Handelsverbote für Kryptowährungen nach wie vor gelten würden.

Lightning Network + Lightning Torch

Auch 2019 ist beim Thema Lightning Network einiges passiert. Am 19. Jänner 2019 sorgte der Bitcoin-Influencer Hodlonaut für einen Trend namens Lightning Torch, bei dem er mit 100.000 Satoshi begann. Diese wurden wie eine Fackel von User zu User weitergegeben bzw. -gesendet, wobei jeder User jeweils 10.000 Satoshi zum ursprünglichen Wert addierte. Nach fast 300 Weitergaben und immerhin beachtlichen 4.290.000 Satoshi wurden die gesammelten Satoshi an Bitcoin Venezuela übergeben, eine auf die Verbreitung von BTC spezialisierte Hilfsorganisation im krisengebeutelten Venezuela.

Während die Anzahl der Nodes zwischen Jänner und April von rund 2.000 auf über 4.000 Nodes anstieg, verlangsamte sich das Wachstum danach auf rund 4.900 Nodes bis zum Jahresende. Auch die Anzahl an im Lightning Network zirkulierenden Bitcoin sank vom Höhepunkt im April 2019 mit über 1.000 BTC langsam auf rund 850 BTC bis zum Jahresende. Relevante Statistiken zum Lightning Network könnt ihr hier nachvollziehen: https://bitcoinvisuals.com/lightning

Eine weitere Neuerung: Seit 3. Dezember 2019 können NutzerInnen von Bitfinex außerdem ihre Trading-Konten mit Lightning-Transaktionen befüllen.

Ausblick 2020

Das heurige Jahr dürfte vor allem im Zeichen des alle 4 Jahre stattfindenden Bitcoin-Halving stehen, das voraussichtlich Mitte Mai passieren wird und bei dem sich die Belohnung für Miner von 12,5 BTC auf 6,25 BTC pro Block halbieren wird. Außerdem darf man gespannt sein, ob Facebook seine Ankündigung wahrmacht und es schafft, Libra 2020 auf den Markt zu bringen. Auch bei Ethereum steht mit der geplanten ersten Phase des Serenity-Updates, welches Ethereum 2.0 bringen soll, einiges an. Kurzum: Spannende Zeiten stehen bevor!