„Die Erkenntnis hat uns hart getroffen – jeder Trade muss versteuert werden, auch zwischen Kryptowährungen.“

Florian Wimmer, Mitgründer von Blockpit, im Interview mit Coinfinity über die Versteuerung von Kryptowährungen, die daraus entstandene Geschäftsidee von Blockpit und ihre Zusammenarbeit mit Coinfinity.

Florian Wimmer ist Mitgründer und Geschäftsführer der Blockpit GmbH, einem Unternehmen, welches sich seit 2017 mit dem automatisierten Monitoring und Auditing von Wertbewegungen auf Blockchains und dem Kryptomarkt beschäftigt. Blockpit kooperiert derzeit eng mit KPMG und dem Österreichischen Bundesministerium für Finanzen, um einen Reporting-Standard für den Kryptowährungsmarkt zu etablieren. Das Unternehmen befindet sich zudem im ersten Blockchain–Accelerator-Programm von 500 Start-ups in San Francisco und arbeitet mit mehreren Kryptowährungsbörsen und Kryptofunds weltweit zusammen. Zurzeit beschäftigt Blockpit 18 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in Linz.

Vor der Unternehmensgründung sammelte Florian Wimmer nach einem technischen Abschluss an der FH Hagenberg vier Jahre lang Berufserfahrung bei KPMG im Bereich Markets & Kommunikation. Seit 2015 beschäftigt er sich privat intensiv mit dem Thema Blockchain und Kryptowährungen – sowohl aus technischer als auch ökonomischer Sicht – und konnte sich ein breites Netzwerk in Europa, Asien und den USA aufbauen. 2018 wurde er von Forbes 30unter30 in Bereich Finanzen ausgezeichnet.

Hallo, Florian, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein kurzes Interview zu geben. Steigen wir gleich mit der ersten Frage ein: Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen, Blockpit zu gründen? Was war euer Ziel?

Entwickelt hat sich Blockpit durch die Problematik, mit der wir immer wieder konfrontiert wurden. Wir sind bereits seit mehreren Jahren am Kryptomarkt aktiv und haben vieles ausprobiert: Mining, Daytrading, ICOs etc. Jedoch hat sich bis letztes Jahr keiner wirklich Gedanken darüber gemacht, ob eine Steuerpflicht auf die Gewinne anfallen könnte.

Da drei meiner Co-Founder und auch ich selbst einen KPMG-Hintergrund haben, hat es nicht lange gedauert, bis wir hier einen tiefen Einblick in die anwendbaren Steuerregeln hatten. Die Erkenntnis hat uns hart getroffen – jeder Trade muss versteuert werden, auch zwischen Kryptowährungen. Anzuwenden ist dabei das First-in-first-out-Prinzip, aber auch eine freie Zuordnung ist bei vollständiger Dokumentation erlaubt. Erste Ansätze, die realisierten Gewinne über Excel oder andere Softwarelösungen zu berechnen, sind kläglich gescheitert.

Es wurde uns auch schnell bewusst, dass wir bestimmt nicht die einzigen mit diesem Problem sind. Auch das Thema der Aufklärung und Steueroptimierung stand bald im Raum. Da wir mit unserem Background eine gute Basis und das nötige Know-how haben, entschieden wir, selbst eine Lösung umzusetzen.

Vom persönlichen Problem zum Unternehmertum – sehr interessant. Was ist dann der entscheidende Vorteil von Blockpit verglichen mit dem Steuerberater von nebenan? Oder anders formuliert: Warum sollte ich trotz Steuerberater in der Familie meine Krypto-Steuern lieber bei euch berechnen lassen?

Das große Problem ist, dass sich die meisten Steuerberater bisher noch nie mit der Versteuerung von Kryptowährungen beschäftigt haben. Ich selbst bin zu drei verschiedenen Steuerberatern gegangen und habe drei komplett verschiedene Argumentationen gehört –wovon sich keine als wirklich korrekt herausstellte.

Sollte man dann einen Steuerberater finden, der die Gesetzgebung richtig versteht, wäre der nächste Schritt, die korrekte Berechnung der realisierten Gewinne durchzuführen. Manuell ist das ab hundert Transaktionen zwischen unterschiedlichen Coins/Token fast nicht mehr möglich. Kommen dann noch die Benutzung von mehreren Börsen und Sonderfälle wie Hardforks, ICO-Investments oder Airdrops hinzu, steigt die Komplexität exponentiell an. Wer einen Steuerberater beschäftigt, weiß, dass deren Stundensätze kein Spaß sind.

Blockpit bietet den enormen Vorteil, nach einem einmaligen Set-up alle Daten in Echtzeit abrufen zu können und stets einen aktuellen Status sowie die Möglichkeit zum Export der Informationen zu haben. Das kostet in Zukunft im Jahr ungefähr so viel wie der Steuerberater durchschnittlich in der Stunde. Natürlich kommen hier auch noch weitere nette Features wie Portfolio-Entwicklung, Alerts und detaillierte Analysen hinzu.

Allerdings bietet ein Steuerberater zusätzliche Sicherheit, da er teilweise die Haftung für die Steuererklärung übernimmt. Ab einem gewissen Betrag würde ich sogar empfehlen, diesen Schritt zusätzlich zu gehen. Aber durch den detaillierten und übersichtlich aufbereiteten Export der Transaktionshistorie von Blockpit kann man sich hier auch noch einmal viel Zeit und Kosten sparen.

Danke für die umfangreiche Einschätzung. Wie viele aktive Nutzer habt ihr bereits?

Derzeit haben wir ca. 2.200 Beta-Nutzer, von denen auch rund ein Drittel regelmäßig aktiv ist.

Wie sieht der weitere Fahrplan für euch aus? Was sind besondere Key Dates?

Zurzeit befinden wir uns in den Vorbereitungen für unseren ITO (Initial Token Offering), um die Finanzierung für die nächsten Jahre aufzustellen und eine eigene Token-Economy auf der Blockpit-Plattform zu schaffen. Der Privatesale läuft bereits gut an und unser Publicsale beginnt mit 20. Oktober 2018 mit einer Dauer von einem Monat. Danach geht es mit dem TAX Token an die Kryptobörsen. Im ersten Quartal 2019 wollen wir den Token aktiv in die Plattform einbinden sowie einen Großteil der europäischen Länder und die USA bei der Steuererklärung unterstützen. Ab dann wird unser Token nötig sein, um den Service zu nutzen.

Wie sieht eure Teamstruktur aus? Hat sich da in letzter Zeit etwas verändert? Und wenn ja, warum?

Wir haben seit Jänner ordentlich zugelegt. Von damals noch 5 sind wir inzwischen auf 18 Mitarbeiter gewachsen. Dabei haben wir natürlich vor allem das Development- sowie das Marketing-Team aufgestockt, um uns schneller zu entwickeln und Präsenz zu zeigen. Durch das rasche Wachstum war es dann auch nötig, Unterstützung im administrativen Bereich zu holen. Im Moment haben wir eine Führungsebene, die aus 4 Personen besteht (CEO, CTO, CMO, COO), eine Office-Managerin und neben mehreren Programmierern (Fullstack/Frontend/Backend/UI-UX) und Marketing-Experten (Grafik/SEO/PR) auch Experten in Steuern, Cyber Security und Business Strategy, die aber nicht Vollzeit angestellt sind.

Vor ein paar Tagen wurdet ihr in das erste Blockchain–Accelerator-Programm von 500 Start-ups in San Francisco aufgenommen. Wie kam es dazu und was bedeutet das für euch?

Ich habe auf meinen Reisen jemanden kennen gelernt, der seine Firma in einem früheren Batch von 500 Start-ups aufgezogen hatte. Nach einem kurzen Gespräch meinte er, unser Projekt hätte durchaus Potenzial, aufgenommen zu werden, und er hat mir eine Introduction zugesagt. Darauf folgten mehrere Videocalls mit verschiedenen Partnern von 500s, bevor wir Anfang Juli die Zusage erhielten.

Für uns ist das ein großer Schritt. 500 Start-ups ist einer der Top 10 VCs (Venture Capital), wenn es um Blockchain geht, und bringt ein riesiges Netzwerk mit. Die Plattform unterstützt uns operativ und strategisch je nach Bedarf vor allem bei Investor Relations, Marketing, PR und Kooperationspartnern.

Hatte das schon bemerkbare Auswirkungen, beispielsweise auf eure mediale Wahrnehmung?

Ja, das hat es definitiv. Neben KPMG haben wir mit 500 Start-ups einen weiteren global etablierten Partner, was einem jungen Start-up wie Blockpit natürlich die benötigte Glaubwürdigkeit einräumt. Wir werden jetzt weltweit öfter auf größeren Medienportalen aufgegriffen und auch in der noch sehr kleinen Kryptoszene sprechen sich solche News schnell herum.

Das stimmt. Viele einschlägige Plattformen bzw. Blogs haben ausführlich darüber berichtet.

Wie kam es dazu, dass ihr hinsichtlich eures ICOs mit Coinfinity zusammenarbeiten wolltet?

Ich habe Max Tertinegg bereits vor unserer Kooperation öfter auf verschiedenen Events getroffen und wir haben uns gut verstanden. Die Visionen und Ideale von Coinfinity stimmen sehr gut mit denen von Blockpit überein und durch das bereits bestehende Unternehmen war auch klar, dass hier wirkliches Know-how vorhanden ist. Es gibt leider nicht viele seriöse Krypto-Projekte in Österreich, aber Coinfinity gehört aus meiner Sicht auf jeden Fall dazu.

Da Coinfinity mit ihrem bestehenden Geschäftsmodell sehr viele technische Aspekte, wenn es um Krypto-Zahlungsverkehr geht, bereits abgebildet hat, war sie für uns der ideale Partner, um auch kurzfristig die nötige Struktur für die ICO-Abwicklung zu implementieren. Das sehr faire Angebot und die bisherige effiziente Zusammenarbeit haben mich definitiv in meiner Entscheidung bestätigt.

Wie schätzt du die ICO-Umwelt in Österreich ein? Wie steht es um andere österreichische Start-ups im Krypto-Bereich?

Österreich ist im Moment leider nicht das beste Pflaster, um einen ICO umzusetzen. Die ungewisse Legislatur bringt starke Einschränkungen mit sich, wenn es um Verkaufsverträge, Tokenmodelle und Marketing geht. Auch steuerlich ist Österreich natürlich weit von einem Paradies entfernt. Länder wie die Schweiz oder Malta bieten in Europa eine bessere Alternative. Da Blockpit sich jedoch genau mit der Steuerthematik beschäftigt und in Zusammenarbeit mit dem BMF steht, war es für uns von Anfang an klar, auch bei unvorteilhaften Konditionen alles auf österreichischem Boden umzusetzen.

Leider kam mit dem lang anhaltenden Kurssturz seit Anfang des Jahres auch eine gewisse Durststrecke für Krypto-Start-ups hinzu. Das Interesse an Kryptowährungen sinkt und Anleger schrecken vor Investments zurück. Folglich wurden einige Unternehmen dazu gezwungen, ungeplante Kursänderungen einzuschlagen – angefangen von verschobenen Deadlines bis hin zu Personalabbau und sogar gänzlichen Absagen von ICOs und Rückzahlungen an Investoren.

Ich denke, in den nächsten Jahren werden sich klare Richtlinien für ICOs bilden und auch der Markt wird einen Umschwung erfahren. Bis dahin werden aber wahrscheinlich noch einige Start-ups der Bereinigung zum Opfer fallen, bevor eine klare Finanzierungsstruktur und eine mögliche Massenadaption neue Möglichkeiten bieten.

Vielen Dank für das Interview und für die offenen und ehrlichen Antworten!