Staatliche Kryptowährungen in kriselnden Staaten – Hyperinflation in Venezuela und Simbabwe

“Heute wird eine Kryptowährung geboren, die Superman ablösen kann”. Mit diesem Satz stellte der venezolanische Präsident Nicolas Maduro am 20. Februar das Whitepaper für die erste staatliche Kryptowährung vor.

Mit der landeseigenen Kryptowährung Petro will Staatspräsident Nicolas Maduro die US-Sanktionen umgehen und das krisengeschüttelte Land aus der ökonomisch und finanziell desolaten Situation befreien. Gleichzeitig soll sich die Kryptowährung unabhängig vom US-Dollar entwickeln und damit die Instabilität und deren Auswirkungen auf insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer abfedern indem eine internationale Alternative bereitgestellt wird, so das Whitepaper.

Der Petro ist an die Ölreserven des Landes gekoppelt und die wohl letzte Möglichkeit das Land vor einem Währungskollaps zu bewahren. Laut Berichten soll die Inflationsrate des Landes bis Ende 2018 auf 13.000% ansteigen. Durch die Bindung an den Ölpreis und die Ölvorkommen in Venezuela soll der Petro als Investmentmöglichkeit, Spareinlage und zum zwischenstaatlichen Finanztransfer verwendet werden.

Eine gewisse politische Brisanz besteht auch hinsichtlich der aktuellen US-Sanktionen gegen Venezuela. Die USA haben bereits davor gewarnt an dem Petro-ICO, der auf der Ethereum-Blockchain läuft, teilzunehmen. Eine Investition in den Petro kann als Kredit für die venezolanische Regierung gesehen werden und würde damit gegen die US-Sanktionen verstoßen, so die USA.

Andere Stimmen feiern den ICO als Startpunkt für die Ablösung des US-Dollars als dominierende internationale Währung. Insbesondere Russland, das im Moment auch an einer eigenen Kryptowährung arbeitet, scheint interessiert zu sein, berichtet die FAZ. Zusätzlich bietet der Petro die Möglichkeit für die “Boli-Bourgeoisie”, also Günstlinge der sozialistischen Regierung, ihre Vermögen unbemerkt neben den US-Sanktionen vorbei zu transferieren.

Besonders spannend erscheint der Petro-ICO auch für andere von Inflation und Währungsproblemen heimgesuchten Staaten. So zum Beispiel Simbabwe, welches seit Jahren in einer Hyperinflation steckt und nun vor kurzem den Simbabwe-Dollar abgeschafft hat. Seither dient der US-Dollar als primäres Währungsmittel. Aufgrund von marginalen Exporten und da man im Land keine US-Dollar drucken kann, gibt es kaum physische Geldscheine. Einige nutzen nun Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, als Zahlungsmittel. Das erklärt auch den höheren Preis pro Bitcoin an afrikanischen Börsen wie Golix. Der Mangel an physischen Geldscheinen drängt die Menschen, mehrheitlich mit ausreichend Kapital, in andere Investitions- bzw. in diesem Fall Währungssysteme.

Es bleibt also spannend zu beobachten, welche Auswirkungen der Petro-ICO national, aber auch international haben wird und inwieweit Kryptowährungen ihre gesellschaftliche Funktion zum jeweiligen politischen und ökonomischen Status anpassen.