
"Helmut Schindlwick, Wiener, 25 Jahre in IT-Innovation und digitaler Transformation, mit dem Fokus auf große Architekturen, Mergers und Strategien, die langfristig tragen sollen. Bitcoin hat diese berufliche Arbeit irgendwann in eine sehr persönliche Frage gekippt: Wieso kümmern sich Staaten und Unternehmen um Souveränität, aber Personen nicht? Daraus ist mein Buch "Brick By Brick", auf Deutsch "Stein für Stein", entstanden, ein Bauplan für ein souveränes Leben auf Bitcoin-Basis. Parallel baue ich BrickOS und Sovereign Health Intelligence (SHI), eine AGPL-3.0 lizenzierte, self-hostbare Open-Source-Plattform für persönliches Biomarker-Tracking. SHI ist die erste Anwendung auf BrickOS, weitere folgen entlang der fünf Säulen des Sovereign Stack: Geld, Gesundheit, Daten, Aufmerksamkeit, Energie. Im Juni 2026 spreche ich auf der BTC Prague und bin Teilnehmer im dortigen Book Corner."
Bitcoin verändert für viele Menschen nicht nur den Blick auf Geld, sondern auf Kontrolle, Abhängigkeit und Eigenverantwortung insgesamt. Bei Helmut Schindlwick scheint genau das passiert zu sein. Ausgehend von Bitcoin entwickelte sich bei ihm eine breitere Auseinandersetzung mit der Frage, wie ein souveränes Leben in einer zunehmend zentralisierten und datengetriebenen Welt überhaupt aussehen kann.
Mit seinem Buch Brick By Brick (Stein für Stein) beschreibt er diesen Weg als bewussten Umbau des eigenen Lebens. Parallel arbeitet er mit Sovereign Health Intelligence an einem Open-Source-Projekt für persönliches Biomarker-Tracking, das Prinzipien wie Datensouveränität, Transparenz und Selbstkontrolle in den Gesundheitsbereich übertragen will. Die Plattform positioniert sich als privacy-first Lösung, die Gesundheitsdaten nicht als Rohstoff für Dritte, sondern als Eigentum des Nutzers behandelt.
Bitcoin war für mich der erste echte Crashkurs in der Frage, wem ich eigentlich vertraue, wenn ich nichts hinterfrage. Vor Bitcoin habe ich 25 Jahre lang Systeme gebaut, die nie ausfallen sollten. Skalierbarkeit, Verfügbarkeit, Hochverfügbarkeit, das war meine Welt. Was Bitcoin mir gezeigt hat: Verfügbarkeit ohne Souveränität ist nur ein größerer Käfig.
Plötzlich war sichtbar, wem ich eigentlich überall vertraut hatte. Beim Geld einer Bank, bei der Wahrheit einem Newsfeed, bei der Gesundheit einem Versicherer und einem System, das mich erst dann sieht, wenn ich krank bin. Bitcoin hat dieses "Dritten vertrauen"-Modell aufgebrochen, weil ich auf einmal selbst beweisen konnte, dass es eine Alternative gibt. 21 Millionen, mathematisch garantiert, kein Bankkonto nötig, keine Erlaubnis.
Sobald dieses Denkmuster sitzt, lässt es sich nicht mehr einsperren. Die gleiche Frage stellt sich überall: Wer kontrolliert meine Daten, wer meine Aufmerksamkeit, wer definiert, was als gesund gilt? Wenn ich beim Geld die Souveränität zurückgewinnen kann, warum nicht überall? Genau das ist der Kern von "Brick By Brick" und der Grund, warum aus dem Bitcoin-Funken die fünf Säulen geworden sind: Geld, Gesundheit, Daten, Aufmerksamkeit, Energie.
Der erste Stein war Self-Custody. Nicht in der Theorie, sondern wirklich. Coins runter von der Börse, Hardware-Wallet, eigene Seed Phrase, kein Custodian. Das ist der Schritt, der alles andere erst möglich macht, weil er die Beweisführung im eigenen Kopf abschließt. Souveränität ist nicht abstrakt, sie funktioniert.
Der zweite Stein war Ernährung. Umstellung auf eine ancestrale, weitgehend tierische Kost, weniger industriell verarbeitete Kohlenhydrate, längere Essenspausen. Nicht weil eine App das vorschlägt, sondern weil die Logik die gleiche ist wie bei Bitcoin: Was ist das ursprüngliche Protokoll, und was ist die fiat-versüßte Variante davon? Die Konsequenzen sind messbar, deshalb tracke ich heute über 84 Biomarker in 8 Gesundheitszonen, um dem eigenen Körper die gleiche Transparenz zu geben, die ich bei meinen Coins habe.Der dritte Stein war Daten. Eigener Server, eigene Domains, Nostr statt Twitter als primärer Publikations-Kanal, Self-Hosting wo immer möglich. Aus diesem Schritt sind dann technisch BrickOS und SHI entstanden, weil ich sehr schnell gemerkt habe: für persönliches Biomarker-Tracking gibt es keine Open-Source-Lösung, die meinen Kriterien standhält. Also baue ich sie.
Weil Gesundheit der Bereich ist, in dem die Konsequenzen von "ich vertraue Dritten" am direktesten in den eigenen Körper durchschlagen. Beim Geld kann man sich noch einreden, dass es nur Zahlen sind. Bei Gesundheit ist es Energie, Schlaf, Konzentration, Lebensjahre.
Gleichzeitig ist Gesundheit der Bereich mit dem schlimmsten Datenmodell der gesamten digitalen Welt. Mein Blutbild liegt in einem Labor-Portal, das ich nicht kontrolliere. Meine Smartwatch-Daten liegen in einer US-Cloud. Meine kontinuierlichen Glukose und Ketone Messungen gehen an einen Hardware-Hersteller, der sie zu einem Abo-Produkt verarbeitet. Niemand fragt, ob diese Daten zusammengeführt werden dürfen. Niemand fragt, was in zehn Jahren damit passiert. Und der Mensch, der eigentlich Eigentümer dieser Daten sein müsste, hat am Ende einen PDF-Ausdruck und ein Login bei drei verschiedenen Anbietern.
Das ist die Lücke. Gesundheit ist die zweite Säule des Sovereign Stack, weil hier die Asymmetrie zwischen "ich gebe Daten her" und "ich bekomme Kontrolle zurück" am größten ist. Wenn Bitcoin Proof of Work in die Welt gebracht hat, dann braucht Gesundheit etwas Vergleichbares. Ich nenne das Proof of Blood. Eigene, nachweisbare, kontrollierbare Daten über den eigenen Körper.
Die stärkste Parallele ist Verifizierbarkeit. Bei Bitcoin kannst du jeden Block selbst prüfen, du musst niemandem glauben. Bei SHI kannst du jede Verschlüsselungs-Routine im Quellcode lesen, jeden Handler, jede API. AGPL-3.0, AES-256-GCM Verschlüsselung at rest, kein Telemetrie-Pingback, weil das Projekt explizit nicht "nach Hause telefoniert". Selbst Server-Admins können die Werte des Users nicht lesen. Das ist genau die "don't trust, verify" Haltung, übersetzt auf Gesundheitsdaten.
Die zweite Parallele ist Self-Hosting. Eine Bitcoin-Node läuft auf einem alten Laptop. Eine SHI-Instanz läuft mit einem einzigen "docker compose up" Befehl auf jedem VPS, Heim-Server oder Mac mini. Niemand muss bei uns einen Account haben. Wer das nicht will, hostet selbst und keiner kann den Stecker ziehen.
Wo der Vergleich endet: Bitcoin ist konsens-basiert. Es gibt eine globale Wahrheit, alle Nodes einigen sich, das ist die Stärke. Gesundheit ist das Gegenteil. Es gibt keine universelle Wahrheit über deinen Körper, weil Stoffwechsel, Genetik, Protokoll und Lebensphase Teil der Antwort sind. Eine Ketose ist bei Carnivoren physiologisch normal und beim Standard-Esser ein Alarmsignal. Ein hoher Blutzucker ist beim Fasten erklärbar, beim Snacker pathologisch. Deshalb arbeitet SHI mit protokoll bewussten Referenzbereichen. Souveränität bei Gesundheit heißt nicht "globale Wahrheit", sondern "individuelle Wahrheit, die du selbst verifizieren kannst".
Weil bei Gesundheit der Schmerzpunkt direkt im eigenen Körper landet. Beim Datenschutz ist die Konsequenz abstrakt, "irgendwo wird mein Profil verkauft". Beim Geld ist sie langsam, die Inflation frisst über Jahre. Bei Gesundheit ist sie unmittelbar: schlechter Schlaf, Burnout, chronische Erschöpfung, ein Befund mit 45, der mit 35 noch reversibel gewesen wäre.
Was sich gerade ändert, ist die Verfügbarkeit der Daten. Vor zehn Jahren war ein vollständiges Blutbild ein Arzttermin. Heute kostet es zwischen 150 und 500 Euro im privaten Labor. CGMs, HRV-Tracker, Schlaf-Monitoring sind im Mainstream. Das Rohmaterial ist plötzlich vorhanden, in einer Menge, die ein Hausarztsystem schon strukturell nicht verarbeiten kann. Damit ist die Bequemlichkeits-Falle teilweise gebrochen, weil die Menschen schon Daten haben, die ihnen kein zentrales System sinnvoll auswertet.
Der zweite Treiber ist Vertrauensverlust. Die letzten Jahre haben mehrfach gezeigt, dass zentrale Gesundheits-Empfehlungen revidiert werden, manchmal um 180 Grad. Wer einmal gesehen hat, dass der Konsens wandert, fängt an, eigene Daten ernst zu nehmen. Genau dort beginnt das Umdenken, und genau dort steht SHI.
Indem die Software nicht versucht, mich zu optimieren, sondern mir zu zeigen, was wirklich los ist. Das ist ein wichtiger Unterschied. Optimierungsstress entsteht, wenn eine App den User dauerhaft in einen Soll-Ist-Vergleich zwingt: dein Schritte-Ziel, deinen Schlaf-Score, dein Ring-Wert. Das ist Gamification, nicht Gesundheit.
SHI dreht das um. Die Standard-Sicht ist nicht "du bist 12 Prozent unter Ziel", sondern "deine Werte über die letzten 90 Tage in deinem Protokoll sehen so aus, hier sind die Trends, hier sind die Auffälligkeiten". Protokoll-bewusst heißt zusätzlich, dass das System weiß, wann du fastest, wann du Carnivore isst, wann du in einer Refeed-Phase bist. Eine Ketose während eines 72-Stunden-Fastens wird nicht als "abnormal" markiert, sondern als erwartbar.
Der nüchternste Filter ist die Frage: Würde ich diesen Wert ändern, wenn ich es wüsste? Wenn die Antwort "nein" ist, ist die Information uninteressant. SHI ist deshalb nicht dafür gebaut, dass jemand jeden Tag in die App schaut. Es ist dafür gebaut, dass jemand alle paar Wochen einen Befund öffnet, sieht was sich verändert hat, und sein Protokoll nur dann anpasst, wenn es nötig ist.
Erster Denkfehler: "Mein Arzt weiß über meine Gesundheit als ich." Statistisch hat dein Hausarzt sieben Minuten pro Termin, sieht ein Standard-Blutbild mit zwölf Markern und arbeitet mit Referenzbereichen, die für die Allgemeinbevölkerung (die immer kränker wird) definiert sind. Wer 84 Biomarker über zwei Jahre kennt, weiß über den eigenen Körper schlicht mehr.
Zweiter Denkfehler: "Krankheit ist Pech." Das ist die exakte Spiegelung von "Inflation ist halt so" im Geldbereich. Beides ist Symptom, nicht Ursache. Die meisten chronischen Krankheiten haben metabolische und Lebensstil-Komponenten, die über Jahre vor dem ersten Symptom messbar sind. Wer das früh sieht, kann handeln.
Dritter Denkfehler: "Mehr Tracking macht hypochondrisch." Das Gegenteil ist der Fall. Ohne Daten bist du auf Bauchgefühl angewiesen, und Bauchgefühl ist im Gesundheitsbereich meistens Angst. Mit Daten siehst du, dass dein Wert seit drei Jahren stabil ist, und kannst entspannen. Daten beruhigen, der Mangel an Daten beunruhigt.
Vierter Denkfehler, vielleicht der wichtigste: "Gesundheit kommt von außen." Pille, Eingriff, Spezialist. Souveränität bei Gesundheit fängt damit an, zu akzeptieren, dass der eigene Körper das Labor ist, der eigene Stoffwechsel das Experiment, und der eigene Lebensstil die Hauptvariable. Externe Hilfe ist gut, aber sie ergänzt, sie ersetzt nicht.
Souveränität ist kein einzelner Akt, sondern eine Haltung, die du dir Stück für Stück zurück holst. Der erste Schritt ist deshalb nicht eine bestimmte App und kein bestimmter Kauf, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo gibst du gerade Kontrolle ab, ohne es zu merken?
Setz dich 30 Minuten hin und mach eine Liste. Wer verwahrt dein Geld, wer hostet deine Daten, wer kontrolliert deine Aufmerksamkeit, deine Newsfeeds, deine Algorithmen? Wer hat dein Blutbild, deinen Schlaf-Score, deine Genom-Daten? Wer entscheidet, was du isst, wann du arbeitest, wann du erreichbar bist? Bei den meisten Zeilen wird die Antwort "ein Dritter" lauten, ohne dass du jemals bewusst zugestimmt hast.
Sobald die Liste sichtbar ist, such dir eine einzige Zeile aus, die dich am meisten ärgert. Nur eine. Und dort setzt du den ersten Stein. Bei manchen ist das Self-Custody, Coins runter von der Börse, eigene Hardware-Wallet, eigene Seedphrase. Bei anderen ist es ein vollständiges Blutbild in den eigenen Körper investiert. Bei wieder anderen ist es das Handy, das ab heute nicht mehr ins Schlafzimmer kommt.
Welcher Stein es ist, ist zweitrangig. Entscheidend ist der Moment, in dem du auf die Frage "Wer kontrolliert das eigentlich?" zum ersten Mal "ich" antwortest und es stimmt auch wirklich. Ab da kennt der Körper, das Konto, der Server den Unterschied. Souveränität fängt nicht im Wallet an und nicht bei einem Sensor. Sie fängt damit an, dass du aufhörst, Verantwortung für dein eigenes Leben an Systeme zu delegieren, die dich nicht kennen.
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