
Ein Jahr mit Bärenmarkt, Milliarden-Hacks und Fork-Drama: 2026 hat der Bitcoin-Community einiges abverlangt. Das spiegelt sich auch in euren Vorschlägen wider. Von Steuerpolitik über Kryptografie bis zur Wall Street ist alles dabei.
Kaum ein Thema hat die deutsche Bitcoin-Szene 2026 so aufgewühlt. Bisher sind in Deutschland Gewinne aus Bitcoin nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Erst wollten die Grünen die Haltefrist abschaffen, der Bundestag lehnte ihren Entwurf im Oktober mit großer Mehrheit ab. Gleichzeitig legte das Bundesfinanzministerium einen eigenen Entwurf vor: Für Bitcoin, die ab 2027 gekauft werden, soll künftig die Abgeltungsteuer gelten. Die Community reagierte prompt. Eine Petition für den Erhalt der Haltefrist knackte die nötigen 30.000 Unterschriften in gut einem Tag und wurde im Oktober im Petitionsausschuss des Bundestags angehört. Beschlossen hat das Kabinett bisher nichts.
2026 wurde aus einer Nischenfrage eine Grundsatzdebatte, kaum ein Podcast kam ohne dieses Thema aus. Die Sorge: Ein künftiger Quantencomputer könnte aus offenliegenden öffentlichen Schlüsseln die privaten berechnen. Betroffen wären wohl rund 6,4 Mio. Bitcoin, darunter die 1,1 Mio., die Satoshi zugeschrieben werden. Mit BIP 360 und BIP 361 liegen erste konkrete Vorschläge auf dem Tisch. Gestritten wird vor allem darüber, ob gefährdete Coins, die nie umziehen, eingefroren werden sollen. Für die einen eine nötige Schutzmaßnahme, für die anderen ein Bruch mit dem Versprechen, dass niemand Bitcoin beschlagnahmen kann.
Die erste Jahreshälfte gehörte gefühlt einer einzigen Debatte: Wofür soll der Blockspace von Bitcoin genutzt werden? Auslöser war Bitcoin Core v30, das 2025 das OP_RETURN-Limit deutlich angehoben hatte. Als Gegenentwurf entstand BIP110, ein zeitlich begrenzter Soft Fork, der beliebige Daten in Transaktionen, etwa Inscriptions und Token, stark einschränken sollte. Getragen wurde er vor allem von Nutzerinnen und Nutzern von Bitcoin Knots. Monatelang wurde auf X und in Foren gestritten, bis zur Aktivierung im August: Nur rund 2,5 % der Blöcke signalisierten Zustimmung, die abgespaltene Chain kam auf gerade einmal zwei Blöcke. Die Grundsatzfrage ist damit aber nicht vom Tisch.
Seit 1. Januar 2026 melden Krypto-Dienstleister in der EU steuerlich relevante Daten ihrer Kundinnen und Kunden an die Finanzbehörden, auch Übertragungen auf eigene Wallets. Für viele Bitcoiner geht das zu weit: Erfasst werden alle, ganz ohne Verdacht, und die Daten liegen jahrelang bei den Behörden. Angesichts von Datenlecks und Überfällen auf Kryptobesitzer ist das für viele mehr als eine abstrakte Frage der Privatsphäre. Inzwischen regt sich auch rechtlicher Widerstand: In Frankreich klagt Bull Bitcoin gegen die Richtlinie, in Österreich hat Bitcoin Austria im Oktober eine Beschwerde eingebracht, die wir als Coinfinity unterstützen. Mehr dazu unter dac8.org.
Für die US-Kryptobranche sollte 2026 das Jahr der Rechtssicherheit werden. Der Clarity Act sollte klären, welche Kryptowerte unter die Wertpapieraufsicht SEC und welche unter die Rohstoffaufsicht CFTC fallen. Nach der Zustimmung im Repräsentantenhaus im Juli 2025 wurde monatelang verhandelt und nachgebessert. Umso größer war die Ernüchterung, als der Entwurf im September 2026 im Senat an einer Verfahrensabstimmung scheiterte, knapp mit 49 zu 50 Stimmen. Für Bitcoin selbst, das in den USA bereits als Rohstoff gilt, hätte sich wenig geändert.
Kaum ein Kursmodell spaltet die Community so sehr. Das Power-Law-Modell, bekannt gemacht vom Physiker Giovanni Santostasi, beschreibt den langfristigen Kursverlauf von Bitcoin als Potenzgesetz. Für die einen ist es die überzeugendste Erklärung für den Wachstum von Bitcoin, für die anderen Kaffeesatzleserei mit schöner Kurve. Schon 2025 schaffte es Power Law in die Top 10 des Bitcoin-Worts des Jahres. 2026 kam der Härtetest: Im Juni fiel der Kurs erstmals in einem Bärenmarkt unter eine viel beachtete Unterstützungslinie des Modells. Seitdem wird noch heftiger diskutiert, ob es trägt.
Kaum ein Monat verging 2026 ohne neue Meldungen über Angriffe auf Krypto-Nutzer und -Unternehmen. Allein im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Vorfälle laut Branchenberichten um rund 50 %, immer öfter mit Hilfe von KI: täuschend echte Phishing-Seiten, Deepfakes und manipulierte Suchergebnisse. Im Sommer traf es Besitzer von Coldcard-Wallets, Ende Oktober folgte der größte bekannte Krypto-Diebstahl überhaupt: Bei Binance wurden Werte von rund 6,3 Mrd. US-Dollar erbeutet, das FBI ordnet den Angriff Nordkorea zu, die den Vorwurf hingegen ablehnen. Für viele in der Community ein weiterer Beleg für den alten Grundsatz: Not your keys, not your coins.
Wie schon nach den Zyklushochs 2013, 2017 und 2021 folgte auch auf das Allzeithoch von rund 126.000 US-Dollar im Oktober 2025 ein abrupter Abschwung. Im Juni 2026 fiel der Kurs zeitweise unter 60.000 US-Dollar, ein Minus von gut 50 % und damit deutlich milder als 2018 oder 2022, als es jeweils um rund 80 % nach unten ging. Für viele, die erst mit dem ETF-Boom eingestiegen sind, war es trotzdem die erste echte Bewährungsprobe. Zuletzt mehrten sich die Stimmen, dass der Bärenmarkt bereits vorbei sein könnte. Dann wäre er mit rund acht Monaten vom Hoch bis zum Tief einer der kürzesten in der Geschichte von Bitcoin.
STRC ist das Börsenkürzel einer Vorzugsaktie von Strategy, der bekanntesten Bitcoin Treasury Company. Sie zahlt eine variable Dividende und soll möglichst stabil um 100 US-Dollar notieren. Liegt sie darüber, gibt Strategy neue Anteile aus und kauft mit den Erlösen Bitcoin. Als STRC im Bärenmarkt unter diese Marke fiel, wurde sie zum Gradmesser für das ganze Modell der Treasury Companies, und die Community spaltete sich: Die einen sind überzeugt, dass die Rechnung aufgeht, die anderen sahen Strategy schon kurz vor dem Kollaps. Ende Oktober kaufte Strategy für rund 2 Mrd. US-Dollar eigene STRC-Anteile zurück und brachte den Kurs damit wieder in die Nähe der 100 US-Dollar.
Entropie ist der Zufall, aus dem deine Seed Phrase entsteht. Je unvorhersehbarer dieser Zufall, desto sicherer die Wallet. Lange war das ein Thema für Kryptografen, bis zum Sommer 2026: Bei Coldcard-Hardware-Wallets hatte ein Firmware-Fehler dazu geführt, dass Seeds über Jahre teils mit viel zu schwachem Zufall erzeugt wurden. Angreifer erbeuteten so nach Schätzungen von Galaxy Research rund 1.800 Bitcoin, ausgerechnet bei einem Gerät, das im Bitcoin-Space lange einen sehr guten Ruf hatte. Seitdem ist die sichere Erzeugung von Seeds eines der meistdiskutierten Themen der Community.
Das Voting ist ab sofort auf unserer Website möglich. Jede Stimme zählt: die Abstimmung ist anonym, offen und ohne Anmeldung. Das Ergebnis wird am 12. November offiziell bekannt gegeben.

Welcher Begriff beschreibt dein Bitcoin-Jahr 2026 am besten? Wir sind gespannt auf deine Stimme und danken allen, die Vorschläge eingereicht und mitdiskutiert haben.
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